13819Standpunkt Oktober
SZKB Standpunkt
Schuldenberge: Gipfel nicht in Sicht
Staatsdefizite sind kein Problem – bis zum Zeitpunkt, wo sie Währungs- und Finanzkrisen auslösen. Dass ausser Deutschland alle G7-Länder Schuldenberge von über 100% des Bruttoinlandprodukts (BIP) vor sich herschieben, ist alles andere als neu. Wir haben uns auch daran gewöhnt, dass die Defizite vielerorts weiter steigen und beispielsweise in den USA und in Frankreich über 5% des BIP betragen. Die Frage ist also, wie die jüngsten Alarmsignale auf den Märkten für Staatsanleihen einzuschätzen sind.
So sind die Preise für Kreditversicherungen für europäische Staatsanleihen kürzlich sehr steil angestiegen. Im Fokus ist aktuell Frankreich, wo der Protest gegen Ausgabenkürzungen täglich in Schulen und auf Strassen ausgetragen wird. In den USA haben die Sparbemühungen der Regierung kaum Entlastung gebracht, Steuersenkungen jedoch die Einnahmen reduziert. Der Anstieg der Zinsen verschärft die Lage. Es droht ein Teufelskreis, bei dem die Schuldzinsen direkt zur Neuverschuldung beitragen.
Doch es gibt Gründe für Hoffnung: Einerseits sorgen die Wirtschaftsaussichten für Zuversicht. Vielerorts stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Einkaufsmanager vermelden hohe Auftragseingänge; die erwarteten Unternehmensgewinne sind hoch. Andererseits kann ein Teil der Staatsschulden «weginflationiert» werden. Anstelle von Kreditausfällen belastet dies Sparerinnen und Konsumenten, denn ihre Kaufkraft schmilzt.
Eine Schuldenkrise, bei der Staaten keine neuen Schulden aufnehmen können oder diese prohibitiv hoch verzinst werden, zeichnet sich daher im Moment nicht ab. Gleichzeitig ist eine Lösung in Form geringerer Ausgaben oder eines plötzlich massiv höheren BIP-Wachstums weiterhin unrealistisch. Wir rechnen mit einem «Weiterwursteln» und einer schrittweisen Verschlechterung der Finanzlage. Anstelle eines Kollapses verlieren dann die betroffenen Währungen und Anleihen weiter an Attraktivität.
Deutlich besser präsentiert sich die Lage der öffentlichen Finanzen in der Schweiz. Dennoch sind die Renditen von Schweizer Staats- und Unternehmensanleihen jüngst angestiegen. Seit der Negativzinsphase ist diese Anlageklasse in vielen Portfolios untervertreten. Da die Schweizer Zinsen wohl nicht mehr unbegrenzt ansteigen, halten wir den Zeitpunkt für einen Wiederaufbau der Obligationenpositionen für günstig. Für die meisten Anlegerinnen und Anleger bieten sich dazu Obligationenfonds und -mandate an.
Mehr Informationen zu Börsen und Märkte unter szkb.ch/standpunkt.
Kreditversicherungen für Staatsanleihen
(01.01.2025 bis 08.10.2026; Preis in Basispunkten / Quelle: Bloomberg, SZKB)
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Thomas Rühl
Chief Investment Officer Leiter Research
