Paraguays Ex-Präsident Peña muss in Untersuchungshaft
Paraguays abgesetzter Präsident Santiago Peña ist im Zusammenhang mit dem Skandal um eine Bank in Untersuchungshaft genommen worden. „Es muss gewährleistet sein, dass er im Land bleibt“, sagte Richter Humberto Otazú nach einer Anhörung und ordnete die Unterbringung in einer Militärkaserne in der Hauptstadt Asunción an.
Auf einer Pressekonferenz begründete der Richter seine Entscheidung mit Fluchtgefahr und der möglichen Behinderung der Ermittlungen. Dabei habe er auch berücksichtigt, über welche Informationen Peña während seiner Amtszeit im Zusammenhang mit dem Bankenskandal und dem organisierten Verbrechen verfügt haben könnte.
Anwalt sieht keine Fluchtgefahr
Peña äusserte sich bei der Anhörung nicht zu den Vorwürfen. Sein Anwalt Ricardo Preda wies die Annahme einer Flucht- oder Verdunkelungsgefahr zurück – sein Mandant sei schliesslich nicht mehr Präsident und könne daher auch nicht mehr auf Informationen aus dem Staatsapparat zugreifen. Preda bezeichnete die Untersuchungshaft als einschneidendste aller möglichen Sicherungsmassnahmen.
Die Staatsanwaltschaft hatte Peña wegen des Verdachts der Untreue und Selbstbegünstigung angeklagt. Zudem beantragte sie Untersuchungshaft sowie das Einfrieren seiner Vermögenswerte. Auch gegen den früheren Zentralbankchef Carlos Carvallo wird im Zusammenhang mit dem Skandal ermittelt. Ihm wird neben Untreue und Selbstbegünstigung auch Dokumentenfälschung vorgeworfen.
Bankenskandal mit politischen Folgen
Der Fall ist Teil eines Skandals um die Digitalbank Ueno, die nach jahrelangem Wachstum in eine schwere Krise geriet. Paraguays Zentralbank leitete ein Abwicklungsverfahren ein, nachdem die Eigenkapitalquote des Geldinstituts unter die Hälfte des vorgeschriebenen Mindestwertes gefallen war. Zeitweise konnten Kunden nicht mehr auf ihre Konten zugreifen.
Peña unterhielt bis zum Frühjahr 2025 Geschäftsbeziehungen zur Grupo Vázquez, zu der die Ueno Bank gehört. Während seiner Präsidentschaft hielt er Anteile an der Konzernholding, hatte zudem Geld bei Ueno angelegt und eine Anleihe eines weiteren Konzernunternehmens. Zugleich legten staatliche Einrichtungen Geld bei der Bank an. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll Peña Einfluss auf die Anlage öffentlicher Gelder bei Ueno genommen haben, obwohl er selbst geschäftlich mit dem Konzern verbunden war. Vorwürfe möglicher Interessenkonflikte wies er zurück.
Am Freitag wurde Peña durch ein Amtsenthebungsverfahren des Parlaments als Präsident abgesetzt. Sein bisheriger Stellvertreter Pedro Alliana wurde als Nachfolger vereidigt und soll das Land bis August 2028 regieren.
