Spanien plant Hilfspaket für Angehörige von Unglücksopfern
Fünf Tage nach dem Zugunglück in Spanien sind drei der 69 Todesopfer weiter nicht identifiziert. In den restlichen Fällen sei die Identität inzwischen zweifelsfrei geklärt worden, teilten die Behörden der Region Kastilien-La Mancha mit.
54 von ihnen waren spanische Staatsangehörige, vier US-Bürger. Die übrigen Opfer stammten demnach aus Frankreich, Kanada, Tschechien, Japan, Portugal, Argentinien, Mexiko und Tunesien.
Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte derweil ein Hilfspaket für Opfer und Angehörige an, das das Kabinett bei der morgigen Sitzung beschliessen wolle. Geplant seien unter anderem vorgezogene Entschädigungszahlungen. Ausserdem sollen die gesetzlich vorgeschriebenen Entschädigungsleistungen für Fahrgäste in diesem Fall verdoppelt werden. Der Regierungschef versprach zudem eine „strenge und transparente Untersuchung“ der Unglücksursache.
Zwei Hochgeschwindigkeitszüge waren am Mittwoch nahe der Gemeinde Urda zusammengestossen. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf. Der Vorfall war das zweite schwere Zugunglück innerhalb von nur neun Monaten in Spanien. Im Januar waren bei einem Zusammenstoss zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen.
Elf Verletzte liegen noch auf der Intensivstation
Die Ursache des neuen Unglücks ist bislang nicht geklärt. Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle Madrid. Funkmitschnitte legen nahe, dass ein Lokführer angewiesen wurde, den normalen Betrieb wieder aufzunehmen, obwohl das Zugsicherungssystem noch ausser Betrieb war und sich der andere Zug weiterhin auf der Strecke befand.
LZB und vergleichbare Systeme sollen dafür sorgen, dass Züge automatisch zum Stehen kommen, wenn Signale nicht beachtet oder die zulässigen Geschwindigkeiten nicht eingehalten werden.
Von den unidentifizierten Toten stammen zwei Menschen mutmasslich aus Australien und einer aus Japan, wie die Behörden mitteilten. Die Angehörigen seien bereits ausfindig gemacht worden und müssten für die zweifelsfreie Identifizierung noch persönlich nach Spanien kommen. Die Überreste von 47 der 69 Toten seien bereits an die jeweiligen Familien übergeben worden. 39 Verletzte würden weiterhin in Spitälern behandelt, elf von ihnen auf Intensivstationen.
An der Unglücksstelle in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid gehen die Bergungs- und Ermittlungsarbeiten Arbeiten unterdessen weiter. Diese werden auch nachts nicht unterbrochen. Im Einsatz sind dort unter anderem 50 Spezialkräfte der Polizeieinheit Guardia Civil.
