Nato-General: Sind Russland militärisch klar überlegen
Der Oberbefehlshaber der Nato sieht das Militärbündnis Russland militärisch deutlich überlegen.
„Unsere militärischen Fähigkeiten, die wir in einem Grosskonflikt zum Einsatz bringen würden, übertreffen die Moskaus bei Weitem“, sagte US-General Alexus Grynkewich dem deutschen Magazin „Der Spiegel“. Moskau verfüge nicht über moderne F-35-Kampfjets und die Masse an modernen Zerstörern oder U-Booten, die die Nato habe.
Grynkewich sagte weiter, er sei sich sicher, dass Russland keinen grossangelegten konventionellen Angriff auf Europa starten werde. „(Russlands Präsident Wladimir) Putin greift zu anderen Methoden, Sabotage zum Beispiel, weil er keine anderen Optionen hat.“ Putin wolle keinen direkten Konflikt. Das liege an der konventionellen Abschreckung. Diese müsse man aufrechterhalten, die Nato-Armeen modernisieren, viel üben und die Fähigkeiten beweisen.
„Müssen die Dinge beim Namen nennen“
Auf die Frage, ob der Begriff „Schattenkrieg“ für die russischen Aktionen passend sei, sagte der Vier-Sterne-General dem „Spiegel“ weiter: „Wir müssen die Dinge beim Namen nennen: Sabotage, Brandstiftung oder Terrorattacken sind präzise Begriffe, es gibt klare Antworten darauf. Das hybride Angriffe zu nennen, ist mir zu vage.“
Zur Frage, ob man sich schon im Krieg mit Russland befinde, sagte Grynkewich: „Das ist das gefährliche Spiel von Wladimir Putin. Er will unseren Bevölkerungen einreden, dass es gefährlich ist, die Ukraine zu unterstützen, dass das in einem Krieg mit Russland enden könnte.“ Bisher verfange das zum Glück nicht.
Sorgen Moskaus um Kaliningrad seien unnötig
Angesichts jüngster Drohungen aus Moskau, dass die Isolierung oder gar ein Angriff auf die russische Exklave Kaliningrad einen Krieg auslösen würde, wiederholte Grynkewich, dass die Nato eine Verteidigungsallianz sei. Sie agiere nur, wenn man angegriffen werde. „Also muss sich Russland keine Sorgen um Kaliningrad machen.“
Als Militär aber sehe er, dass Russland durch den Krieg in der Ukraine in Kaliningrad geschwächt sei. Gleichzeitig sei die Nato im Baltikum stärker geworden. „Die Lage dort ist militärisch ungünstig für Russland.“ Nato-Übungen an der Nato-Ostflanke seien Routine. Man achte darauf, dass sie nicht als Aggression interpretiert werden können.
Mutmasslicher Anschlagsversuch in Leipzig: „Grenzüberschreitung“
Zu einem mutmasslich von Russland gesteuerten Angriffsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle mit einer mit Sprengstoff ausgerüsteten Drohne Anfang August sagte Grynkewich, allein der Versuch sei eine Grenzüberschreitung gewesen.
„Wäre der Angriff erfolgreich verlaufen, wären mehrere vollgetankte Antonows in die Luft gegangen, vermutlich hätte es Tote gegeben“, so der General mit Blick auf die ukrainischen Frachtmaschinen, zwischen denen die Drohne gefunden worden war und gegen die sich nach Erkenntnissen der deutschen Ermittler der Anschlagsversuch gerichtet hatte.
Angesichts der Wichtigkeit von Drohnen im Krieg in der Ukraine und im Iran erklärte der General, die Nato müsse in diesem Bereich rasch besser werden. „Wir benötigen massenweise Einwegkampfdrohnen, billigere Marschflugkörper und vieles mehr.“
