Wie die Anatomie des Mundes die Sprachen der Welt formt
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Höfner Volksblatt  
13. Oktober 2026

Wie die Anatomie des Mundes die Sprachen der Welt formt

Die Vielfalt der Sprachen der Welt hat auch anatomische Gründe. Eine neue Studie der Universitäten Neuenburg und Zürich zeigt, dass Unterschiede in der Form des menschlichen Sprechapparats mitprägen, wie Sprachen klingen.

Für die am Dienstagabend in der Fachzeitschrift „Plos Biology“ veröffentlichte Studie untersuchten die Forschenden mit einem Magnetresonanztomographen (MRT), wie stark sich die Anatomie des Gaumens auf die Aussprache auswirkt. Sie analysierten bei 32 englischsprachigen Personen den Stimmapparat, während diese die Vokale „i“, „e“, „a“, „o“ und „u“ aussprachen.

Dabei stellten sie fest, dass die Vokaltrakte der Teilnehmenden sich stark unterschieden. Um den gleichen Laut zu erzeugen, mussten die Sprechenden unterschiedliche Zungen- und Lippenbewegungen ausführen.

Dennoch konnten sie anatomische Unterschiede nicht vollständig ausgleichen: Die persönliche Gaumen- und Rachenform hinterliess bei jeder Testperson messbare Spuren im Klang der Vokale. Das führt dazu, dass es innerhalb einer Sprachgruppe eine gewisse Bandbreite gibt, wie Vokale klingen.

Ein weltweites Phänomen

Diesen Effekt verglichen die Forschenden anschliessend mit Sprachaufnahmen aus anderen Sprachen wie Baskisch und Hindi. Das Ergebnis: In jeder untersuchten Sprache existiert ein ganz ähnliches Grundmass an klanglichen Unterschieden zwischen einzelnen Personen.

„Bisher ging man oft davon aus, dass die biologische Evolution der Sprache mit der Entwicklung der menschlichen Sprachfähigkeit abgeschlossen war – und dass jeder spätere Sprachwandel ausschliesslich durch Kultur und Geschichte getrieben wurde“, schreibt das Forschungsteam um Steven Moran von der Universität Neuenburg und Christoph Zollikofer von der Universität Zürich in der Studie. Die neuen Erkenntnisse widerlegten diese strikte Trennung. Sie zeigten auf, dass unsere Biologie ein ständiger, leiser Motor für den Sprachwandel bleibe.

Weil keine zwei Menschen den exakt gleichen Mundraum besitzen, ist die Aussprache in einer Gesellschaft stets ein wenig im Fluss. Diese natürliche klangliche Streuung summiert sich über die Zeit auf. Trennen sich Bevölkerungsgruppen räumlich voneinander, driften ihre Laute durch die winzigen, körperlich bedingten Abweichungen über die Jahrhunderte unweigerlich in unterschiedliche Richtungen – bis am Ende völlig neue Sprachen entstehen.