Versteckte und verspielte Gäste inmitten von Tinguely-Maschinen
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Höfner Volksblatt  
22. September 2026

Versteckte und verspielte Gäste inmitten von Tinguely-Maschinen

Ein Kind auf der Schaukel, ein Gorilla in der Zügelkiste: Die Schweizer Künstlerin Zilla Leutenegger gastiert im Museum Tinguely Basel. 14 Werke nisten sich in den Zwischenräumen der Sammlung ein – und laden zu einer Suche ein.

Manche Installationen sind jedoch unübersehbar: Wer sich zu Jean Tinguelys Mengele-Totentanz begibt, wird dank eines Bewegungsmelders vom Klimpern eines alten Klaviers und farbigen Lichtprojektionen begrüsst. Sie habe das Instrument aus einem „Flügel-Friedhof“ gerettet und dazu ein „Stück ohne Melodie“ auf sieben Tasten komponiert, sagte Leutenegger am Dienstag bei einem Medienrundgang.

„Ich denke die Geschichten in Räumen“, sagte die Künstlerin. Als Gast breite man sich nicht einfach so aus. Daher handelt es sich meist um diskrete und sanfte Interventionen in den Zwischenräumen der Sammlung und des Gebäudes.

Nicht selten sind es bewegte Schattenfiguren, die dort anzutreffen sind. Dazu gehört eine Frau, die ihre Beine hoch über Tinguelys riesigen Maschinen baumeln lässt. Die Katze, die Leutenegger mit im Gepäck hat, wartet beim Treppengeländer, während ihr Hund seelenruhig in einem Korb zwischen den Skulpturen schlummert. Im einen Treppenhaus erklingen zudem Tropfgeräusche, die Besucherinnen und Besucher zu einer Suche nach Keramik-Wasserhähnen animieren.

Das Seufzen der Zilla Gorilla

„Ihre Arbeiten sind grösstenteils ortsspezifisch“, sagte Museumsdirektor Roland Wetzel. So befindet sich Leuteneggers Alter Ego „Zilla Gorilla“ im Gegensatz zum Bündner Kunstmuseum nicht unter der Treppe, sondern in einer Transportkiste – und seufzt wehmütig, da Umziehen auch mit Abschied und Umgewöhnung verbunden ist.

Ältere Werke der Künstlerin erhalten am neuen Ort eine andere Bedeutung, so die beschlagene Scheibe mit der Finger-Inschrift „I love you“. Dies sei nun eine Nachricht an Tinguely. „Die Leichtigkeit seiner Arbeit hat mich schon als Kind beeindruckt“, sagte Leutenegger.

Selbst der Propellerflugzeug, ein Urgestein des Museums, bekommt etwas ab. „Es kam noch nie vor, dass jemand etwas mit dem Flieger machen wollte“, sagte Kurator Andres Pardey. Leutenegger verpasste dem Propellerflugzeug eine Schattenpilotin mit langem Schal, der an den „Kleinen Prinzen“ erinnert – sie soll zu Fantasiereisen animieren.

Zu den 14 Werken im Museum kommt noch ein weiteres im Roche-Bau 7, eine Glasarbeit, die auf die Labore anspielt und auch dort bleiben wird. Die Ausstellung „Zwischenraum/Hindurchzuschaun“ ist vom 23. September bis am 7. März 2027 im Museum Tinguely zu sehen.