Erarbeiteter Wohlstand gilt als fairer als Reichtum durch Glück
Reich durch Arbeit oder Lotto? Eine neue Studie zeigt, dass Menschen Lohnunterschiede vor allem dann akzeptieren, wenn sie auf Leistung basieren. In der Schweiz ist diese Haltung stark ausgeprägt.
Für die Untersuchung führte ein Forschungsteam um die Wirtschaftswissenschaftlerin Ingvild Almås von der Universität Zürich (UZH) ein Experiment mit 65’000 Personen in sechzig Ländern durch. Die Forschenden wollten herausfinden, wann Menschen Ungleichheit akzeptieren und eine Umverteilung befürworten, wie die UZH am Mittwoch mitteilte.
Die Versuchsteilnehmenden mussten im Experiment zum Beispiel entscheiden, ob Boni für Mitarbeitende einer Online-Plattform nach Leistung oder per Zufall vergeben werden sollten.
Westliche Länder sind leistungsorientiert
Das Ergebnis ist deutlich: Wird Ungleichheit mit Leistung begründet, akzeptieren die Menschen sie im Durchschnitt wesentlich eher. Diese Ansicht sei in der Schweiz besonders stark ausgeprägt, heisst es von der UZH. Die Schweizer Bevölkerung sei aber für eine Umverteilung offen, wenn die Ungleichheit auf Glück beruhe
Auch andere wohlhabende westliche Demokratien wie Kanada, Australien und Italien weisen besonders hohe Anteile von Menschen auf, die Ungleichheit aufgrund von Leistung akzeptieren.
In nicht-westlichen Ländern wie China und Indien fanden die Forschenden hingegen eine grosse Akzeptanz für Ungleichheit, die durch Glück entstanden ist. Die dortige Bevölkerung sprach sich mehrheitlich dagegen aus, einen durch Zufall errungenen Wohlstand umzuverteilen.
Als einen möglichen Grund für diese Einstellung nannte Almås kulturelle Faktoren. Künftige Studien sollen den Zusammenhang mit religiösen Überzeugungen untersuchen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „The Quarterly Journal of Economics“ veröffentlicht.
