Sprachen lernen mit KI: Chatbots und Co. verändern den Unterricht
Durch Künstliche Intelligenz (KI) hat auch der Sprachunterricht ein Update erfahren. Dabei sollen Chatbots und Übersetzungstools stets eine Ergänzung bleiben, so die Meinung von Lehrpersonen und Schulleitungen.
Wo immer möglich werde Künstliche Intelligenz (KI) heute beim Lernen eingesetzt. Davon geht Beat Schwendimann vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) aus.
Viele Lehrpersonen würden KI bereits bei der Vorbereitung ihres Unterrichts berücksichtigen, weiss Lucius Hartmann vom Verein Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer (VSG).
Ähnlich bei der Bewertung: Laut Jörg Berger von Visenti, dem Schweizer Verband für Schulführung, fliesst vermehrt auch der Entstehungsprozess einer Arbeit in eine Beurteilung mit ein.
Wird Sprachen lernen einfacher?
Grundlegende Lernprozesse werde KI auch in Zukunft nicht ersetzen können, ist Schwendimann überzeugt. Wer eine Sprache wirklich beherrschen wolle, komme um den aktiven Aufbau eines Wortschatzes nicht herum. Dabei habe die Motivation, Formen und Vokabeln zu büffeln, bei Schülerinnen und Schülern abgenommen.
Laut Berger wird gute Sprachbildung künftig nicht darin bestehen, KI zu verbieten, sondern vielmehr darin, diese mit solidem Sprachwissen zu verbinden.
Hier, so Hartmann, seien Lehrpersonen heute noch stärker gefordert, als früher. Für ihn sei deshalb umso wichtiger, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht lernen, Übersetzungstools und andere digitale Hilfsmittel sinnvoll einzusetzen.
Fokus auf nicht delegierbare Kompetenzen
Natürlich hätten sich die Möglichkeiten zum Schummeln mit dem Einsatz von KI erweitert, gibt Berger zu bedenken. Gleichzeitig mache das aber auch deutlich, dass Aufgaben, die sich allein durch Übersetzen lösen lassen, ohnehin nur begrenzt aussagekräftig gewesen seien.
Der Fokus verschiebe sich nun stärker auf Kompetenzen, die sich nicht einfach delegieren lassen: Argumentieren, spontane Kommunikation, sprachliche Entscheidungen begründen oder gemeinsam Probleme lösen.
Eine Chance für Lehrende und Lernende
Hartmann meint, dass früher im Unterricht viel Zeit in ein oberflächliches Verständnis investiert worden sei. Heute könne ein Text viel schneller und in seiner Tiefe erfasst werden. So liessen sich Fremdsprachen-Kompetenzen ohne erheblichen Aufwand deutlich steigern.
Beim Lesen könne der unmittelbare Zugriff auf Worterklärungen oder die korrekte Aussprache hilfreich sein. KI-Chatbots wiederum ermöglichten nahezu unbegrenzte Gesprächsanlässe und könnten als Ergänzung zum Unterricht Rollenspiele durchführen oder Rückmeldungen geben.
Dabei können nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Sprachlehrerinnen und -lehrer von KI profitieren – etwa wenn es darum geht, individuelle und auf die Interessen der Lernenden angepasste Angebote zu entwickeln.
Echte Begegnungen sind am Ende effektiver
Für einen effektiven Unterricht seien Inspiration und Empathie entscheidend, ergänzt Schwendimann vom LCH. Dafür brauche es zwingend zwischenmenschliche Interaktionen – das könnten auch virtuelle Sprachtandems wie die App „Talkpal“ nicht ersetzen.
Die Freude an neuem Wissen – plötzlich Dinge beschreiben, Unbekanntes verstehen und einordnen zu können – dieses Gefühl werde auch in Zeiten künstlicher Intelligenz nicht wegfallen, ist Hartmann überzeugt.
