Wolfsrisse haben sich in Graubünden 2026 mehr als halbiert
Diverses
Höfner Volksblatt  
4. August 2026

Wolfsrisse haben sich in Graubünden 2026 mehr als halbiert

Bis Ende Juli hat der Wolf in Graubünden 30 Nutztiere gerissen – deutlich weniger als die 68 im Vorjahr. Der Rückgang folgt dem schweizweiten Trend.

„Der Unterschied zu den Vorjahren ist beträchtlich“, kommentierte der kantonale Verantwortliche für Grossraubtiere, Arno Puorger, die Zahlen gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Laut Puorger lassen sich jedoch noch keine endgültigen Schlüsse ziehen, da die Zahlen von Jahr zu Jahr schwanken. Zudem lasse sich der Rückgang nicht auf einen einzigen Faktor zurückführen. Es spielten verschiedene Aspekte eine Rolle. Er nennt die Herdenschutzmassnahmen, die Regulation, aber auch das Wetter oder die Verfügbarkeit von natürlicher Beute.

Bis Ende Juli haben sich gemäss Puorger keine klaren Schadenshotspots abgezeichnet. Erfahrungsgemäss sei der August der Monat mit den höchsten Schadenszahlen. Das zeigt auch ein Blick auf die Zahlen 2025, als Wölfe 105 Schafe oder Ziegen und ein Grossvieh alleine im August gerissen hatten.

Die Risse sind im laufenden Sommer nicht nur in Graubünden zurückgegangen, sondern schweizweit. Laut der Gruppe Wolf Schweiz wurden bisher während der Alpsaison insgesamt gut 180 Nutztiere gerissen, im vergangenen Jahr waren es etwas mehr als 400. Die Zahlen lassen die Risse im Tessin aussen vor, da der Kanton keine aktuellen Risszahlen publiziert hat.

Mit Abstand die meisten Risse von Schafen und Ziegen gab es im laufenden Jahr gemäss Auswertung von Wolf Schweiz im Wallis, wo 130 Risse bis Ende Juli verzeichnet wurden. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 170.

Der starke Rückgang der Wolfsangriffe sei hauptsächlich auf die Verstärkung der Herdenschutzmassnahmen zurückzuführen, heisst es in einer Ende Juli veröffentlichten Mitteilung der Vereinigung. Der Geschäftsführer, David Gerke, erklärte Ende Juli in einem SRF-Radiointerview, dass die präventive Regulation zwar lokal Entlastung bringen könne, aber auf breiter Ebene nicht für einen Rückgang der Risszahlen verantwortlich sei.

Regulationsgesuch im Prättigau

Die meisten Risse in Graubünden betreffen Ziegen und Schafe. Am 5. Juli tötete der Wolf im Prättigau aber ein Rind. Aus diesem Grund hat das Departement für Infrastruktur, Energie und Mobilität ein Regulationsgesuch in Bern eingereicht, das vom Bundesamt für Umwelt bewilligt wurde. „Der Kanton darf zwei Drittel der Welpen des Rudels regulieren. Diese wurden jedoch noch nicht gefunden“, so Puorger.

Bisher haben sich in Graubünden im laufenden Jahr erst zwei Rudel fortgepflanzt: das Calanda-Rudel, das sieben Welpen zählt, und das sogenannte Seta-Rudel in Arosa, das sechs Welpen zur Welt gebracht hat.

58 Nachweise für Bär im Unterengadin

Im am Dienstag publizierten Quartalsbericht zu den Grossraubtieren befasst sich das Bündner Amt für Jagd und Fischerei auch mit drei weiteren Arten: dem Bären, dem Luchs und dem Goldschakal.

Von April bis Juni wurden im Unterengadin 58 Nachweise über die Präsenz des Bären gemeldet. „Derzeit gibt es keine Beweise dafür, dass es sich um zwei verschiedene Bären handelt“, heisst es im Bericht. Das Tier bewege sich hauptsächlich auf dem Gebiet der Gemeinden Zernez und Scuol.

Beim Luchs gab es 311 Sichtungen. Das Tier ist in fast dem gesamten Kantonsgebiet präsent, mit Ausnahme einiger Regionen, wie zum Beispiel dem Puschlav, dem Hinterrhein und Arosa. Nachweise über die Präsenz des Goldschakals wurden sowohl in der Gemeinde Scuol als auch in Vals erbracht.