Bundesrätin Keller-Sutter wirbt in Kradolf TG für Stabilität
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Höfner Volksblatt  
1. August 2026

Bundesrätin Keller-Sutter wirbt in Kradolf TG für Stabilität

Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) hat zum 1. August in Kradolf-Schönenberg TG für Stabilität, gesunde Staatsfinanzen und Konsensfindung geworben. Mit der Entstehungsgeschichte der Nationalhymne illustrierte sie augenzwinkernd die Eigenheiten der Schweizer Politik.

Stabilität sei in der aktuellen Weltlage der grösste Trumpf der Schweiz, erklärte Keller-Sutter in ihrer Ansprache am Samstagmittag in einem Festzelt vor der Mehrzweckhalle in Kradolf. Gesunde Finanzen und die tiefe Verschuldung des Landes seien die beste Krisenvorsorge, betonte die Finanzministerin. Das gelte auch in herausfordernden Zeiten von Angriffs- und Handelskriegen, wirtschaftlicher Abschottung, Alterung sowie Klimawandel.

Verlässlichkeit und Beständigkeit seien in einer Welt des beschleunigten Wandels entscheidend. Das schweizerische System mit Föderalismus und direkter Demokratie brauche zwar manchmal länger für Entscheidungen, schaffe aber Vertrauen.

Musik an der Bundesratssitzung

Einen typischen Schweizer Entscheidungsprozess verdeutlichte Keller-Sutter anhand des Schweizerpsalms. Das Lied sei zwar bereits im Jahr 1841 entstanden. Lange habe sich jedoch der Bundesrat „nicht als oberste Gesangsbehörde“ verstanden. Schliesslich dauerte es 140 Jahre, bis die Landesregierung 1981 den Schweizerpsalm als offizielle Landeshymne erklärte. Vor diesem Entscheid habe sich der Bundesrat bereits 1965 während einer Sitzung verschiedene Kandidaten auf Schallplatte vorspielen lassen.

In ihren Ausführungen zur Nationalhymne teilte die Bundesrätin auch einen humoristischen Seitenhieb gegen den gastgebenden Kanton aus. Bei einer Kantonskonsultation im Jahr 1975 hätten lediglich vier Kantone die Hymne als „ausdrücklich ungeeignet“ abgelehnt – darunter ausgerechnet der Kanton Thurgau.

Eine Hymne als Brückenbauer

Dass der Text vom liberalen Protestanten Leonhard Widmer und die Musik vom katholischen Priester Alberik Zwyssig stamme, zeige zudem, dass die Schweiz schon 1841 in einer Zeit starker Polarisierung eine verbindende Klammer gesucht habe. Beide hätten damals „das Heu nicht auf derselben Bühne“ gehabt.

Der Schweizerpsalm sei damit ein Sinnbild dafür, „dass es immer wieder und gerade in der Politik auch darum geht, im Dialog Differenzen zu überwinden, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen“, schloss Keller-Sutter. Das könne länger dauern, halte aber meist auch länger.