Als silberne US-Wohnwagen die grosse Freiheit versprachen
Silberne Airstream-Wohnwagen blitzen in der Sonne, davor spielen Kinder auf einem Roller. Die Szene, die man auf den ersten Blick in den USA oder in Italien verorten würde, entstand in Wirklichkeit im August 1960 auf einem Campingplatz bei Genf.
Bis man sich hierzulande dem Camping-Gefühl in der beschriebenen Weise hingeben konnte, dauerte es etwas. Zwar erfand der Engländer Gordon Staples bereits 1885 einen Reisewagen. Gezogen wurde das Gefährt mit dem Namen „Wanderer“ von Pferden.
1931 dann konstruierte der Reitpeitschenvertreter Arist Detlheffs den ersten Wohnwagen Deutschlands, den er selbst als „Wohnauto“ bezeichnete. Dabei ging es ihm nicht primär um Ferien, sondern um die Liebe. Detlheffs, der berufsbedingt viel unterwegs war, wollte mehr Zeit mit seiner Verlobten Fridel Edelmann verbringen können, einer Landschaftsmalerin. Passend dazu entwarf Dethleffs schon damals ein Hubdach in der Mitte des Wagens – wodurch es möglich wurde, den Wohnwagen dank mehr Licht als Atelier zu nutzen.
Tausende Kilometer von Dethleffs Allgäuer Heimat entfernt kaufte der US-Amerikaner Wally Byram ebenfalls in den 1930er-Jahren dem Flugzeugingenieur William Bowlus dessen Unternehmen ab – und übernahm dessen Idee windschnittiger Caravans aus Aluminium. Der Rest ist Designgeschichte, der Airstream-Wohnwagen längst ikonisch geworden. 1969 brachte die Nasa die Crew der Mondmission „Apollo 11“ nach ihrer Rückkehr zur Erde in einem Airstream zur Quarantänestation.
Wer hingegen in der Schweiz campieren wollte, war bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf ein Zelt angewiesen. Zwar entstanden schon in den 1940er-Jahren die ersten Zeltplätze. Wohnanhänger wurden jedoch erst 1950 auf Schweizer Strassen zugelassen. Zuerst kamen vor allem Touristen aus Deutschland und den Niederlanden mit dem Wohnwagen in die Schweiz, bevor die Gefährte auch bei der einheimischen Bevölkerung an Beliebtheit gewannen.
