Diesjähriger Spycher: Literaturpreis geht an Mathias Énard
Der französische Autor Mathias Énard erhält den Spycher: Literaturpreis Leuk 2026. Der Preis ist damit verbunden, dass die Ausgezeichneten jeweils einige Wochen während mehrerer Jahre in Leuk-Stadt leben und schreiben.
Der 54-jährige Mathias Énard wird für seinen Roman „Déserter“, in deutscher Übersetzung „Tanz des Verrats“ ausgezeichnet. Er sei „die vorläufige Summe eines schon heute umfassenden Werkes“, schrieb die Stiftung Schloss Leuk, die den Preis vergibt, am Mittwoch.
Der Roman, der im Original 2024 erschienen ist, spielt im Jahr 2001. An einem Kongress wird ein unter ungeklärten Umständen verstorbener Mathematiker, Kommunist und KZ-Überlebender gewürdigt. Seine betagte grosse Liebe zieht alle Blicke auf sich. Doch dann erreicht die Nachricht der zerstörten Twin-Towers in New York die Festgesellschaft, und die Veranstaltung nimmt eine neu Wendung. Der Roman verknüpft Themen wie Widerstand, Liebe, Verrat und den Trost der Mathematik miteinander.
Verbindung von Orient und Okzident
Die Jury begründet ihren Entscheid mit Énards „berauschender Erzählkunst“ und seiner „unterhaltsamen Gelehrsamkeit, in der sich intellektuelle Weite und Spürsinn, immenser Reichtum an Wissen und Wortmacht verbinden“.
Mathias Énard wurde 2015 für seinen Roman „Boussole“ (dt.: „Kompass“) mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Er hat Arabisch und Persisch studiert und längere Zeit im Nahen Osten verbracht. In seinen Werken beschäftigt er sich immer wieder mit kulturellen, politischen und historischen Verbindungen zwischen Orient und Okzident.
Der Spycher: Literaturpreis Leuk feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum, das mit einem zweitägigen Fest in Leuk-Stadt gefeiert wird. In diesem Rahmen wird Énard den Preis am 27. September entgegen nehmen; am Tag zuvor sind Lesungen mit ehemaligen Preisträgerinnen und -trägern geplant. Bisher ausgezeichnet wurden etwa Jonas Lüscher im letzten Jahr oder zuvor Marie NDiaye, Lukas Bärfuss, Mircea Cărtărescu – und der Literaturnobelpreisträger 2025 László Krasznahorkai.
Sie alle haben in Leuk-Stadt geschrieben und damit auch in kulturellem Austausch mit der Region gestanden – wie es sich die Stiftung Schloss Leuk mit dem Preis zum Ziel gesetzt hat.
