Goldfische können in der freien Natur ganze Teiche leer fressen
Zierfische, die ganze Teiche leer fressen, Aquariumpflanzen, die in Seen wuchern: Wer sein Aquarium in der Natur entsorgt, richtet grosse Schäden an und macht sich überdies strafbar. Darauf weist eine Kampagne hin, zu der sich 21 Kantone zusammengeschlossen haben.
Regelmässig für Schlagzeilen sorgen Quaggamuscheln in Schweizer Seen und die Schwarzmeergrundel im Rhein. Als invasive Arten richten sie grosse Schäden an – an der Biodiversität und an der Infrastruktur. Sie gelangen als blinde Passagiere an Booten und Frachtschiffen, also unbeabsichtigt in die Schweizer Gewässer.
Für nachhaltige Schäden können aber auch beabsichtigte Handlungen sorgen. Also wenn Besitzerinnen und Besitzer von Aquarien und Gartenteichen, Tiere und Pflanzen aussetzen. In einer gemeinsamen Kampagne weisen zum Sommerferienbeginn 21 Kantone und das Fürstentum Liechtenstein auf die übrigens strafbaren Folgen hin.
Es passiere immer wieder, dass Tiere und Pflanzen aus Aquarien und Teichen in Bächen, Flüssen oder Weihern entsorgt würden, heisst es. „Doch dieser gut gemeinte Akt hat meist fatale Folgen“, schreibt zum Beispiel das baselstädtische Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Wenn die Tiere und Pflanzen nicht eingehen würden, könnten sie sich als invasive Arten etablieren und der einheimischen Fauna und Flora schaden.
Einheimische Arten gefährdet
Was für Tier- und Pflanzenarten als invasiv gelten und „nachweislich Schäden in der Umwelt verursachen“, ist in einer 2022 herausgegebenen Publikation des Bundesamts für Umwelt (Bafu) aufgeführt. Darunter finden sich viele Tier- und Pflanzenarten, die in Aquarien und Teichen gehalten werden.
Darunter der Goldfisch, der oftmals als Statussymbol gehaltene, teure Koi-Karpfen oder die seit 2008 mit einem Einfuhrverbot belegte Rotwangen-Schmuckschildkröte. Diese Tiere könnten ganze Teiche leer fressen und dabei seltene Amphibien- und Insektenarten gefährden. Ebenso gebietsfremde Garnelen und Krebse, die überdies auch Krankheiten übertragen könnten.
Für Schäden sorgen können gemäss der Kampagne auch exotische Wasser-Zierpflanzen. Das aus Afrika stammende Schmalohr zum Beispiel habe sich als schnellwüchsige Unterwasserpflanze im Genfersee und in den Tessiner Seen stark ausgebreitet. Ein kleines Stück der Pflanze reiche aus, dass sie sich invasiv verbreite.
Wasserpflanzen im Kehricht entsorgen
In der Kampagne wird nun geraten, zuallererst die Entscheidung für ein Aquarium oder Gartenteich sorgfältig abzuwägen. Aquarienwasser gelte es ausschliesslich über das Abwasser und nicht in Dolen zu entsorgen. Wasserpflanzen müssten im Kehricht oder allenfalls in einer professionelle Kompostieranlage entsorgt werden.
Bei den Tieren wird es etwas schwieriger. Hier rät die Kampagne dazu, im Bekanntenkreis oder über seriöse Plattformen ein neues Zuhause zu suchen oder eine Auffangstation zu kontaktieren. Falls sich keine Lösung abzeichne sei, eine Tierarztpraxis aufzusuchen.
