Äthiopien: HRW wirft Behörden in Tigray Zwangsrekrutierungen vor
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft den Behörden in der nordäthiopischen Region Tigray eine seit April andauernde Zwangsrekrutierung von Zivilisten vor. Auch Minderjährige seien betroffen.
Das sagte die stellvertretende Afrikadirektorin der Organisation, Laetitia Bader. Die Kampagne erzeuge „ein Klima der Angst in der gesamten Region.“ Potenzielle Rekruten schliefen aus Furcht vor Zwangsrekrutierung im Freien oder flüchteten aus Tigray.
In den vergangenen Monaten ist es erneut zu Spannungen zwischen der äthiopischen Zentralregierung und der wichtigsten politischen Partei Tigrays, der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), gekommen.
Die beiden Seiten kämpften während eines blutigen Bürgerkriegs von 2020 bis 2022 gegeneinander, der Ende 2022 mit einem Waffenstillstand endete. In dem Konflikt kam es zu zahlreichen Menschenrechtsverbrechen. Nun schüren die Spannungen Sorgen vor einem neuen bewaffneten Konflikt am Horn von Afrika.
Bewohner in Städten und Gemeinden berichteten laut Human Rights Watch, dass Beamte und Streitkräfte in Tigray ehemalige Kämpfer, andere Männer und Jungen auf der Strasse, in Büros und bei nächtlichen Hausdurchsuchungen entführten.
Es seien auch Razzien und Entführungen aus Goldminen, einer wichtigen Einnahmequelle für junge Männer und Jungen in der Region, gemeldet worden. Von den lokalen Behörden gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen.
