Microsoft zahlt 6,3 Milliarden Dollar Steuern in der EU
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Höfner Volksblatt  
30. Juni 2026

Microsoft zahlt 6,3 Milliarden Dollar Steuern in der EU

Der Techkonzern Microsoft hat im vergangenen Jahr 6,3 Milliarden US-Dollar in der Europäischen Union an Körperschaftsteuern gezahlt. Das geht aus dem erstmals veröffentlichten „Public Country-by-Country Report“ hervor, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

Auffällig ist, dass Deutschland vergleichsweise wenig von den umgerechnet etwa 5,53 Milliarden Euro abbekommt. Obwohl die Bundesrepublik zu den grössten Standorten von Microsoft in Europa gehört, zahlte der Techkonzern da Ertragsteuern in Höhe von nur 174,2 Millionen Dollar oder 153 Millionen Euro. Der Löwenanteil kam dem Fiskus in Irland zugute. In Dublin befindet sich auch die Europazentrale von Microsoft.

Weltweit summierten sich dem Report zufolge die vom Unternehmen entrichteten Körperschaftsteuern im selben Zeitraum auf 28,7 Milliarden Dollar, womit Microsoft unter den grossen US-Techkonzernen den zweiten Platz belegt – hinter Apple mit 29,7 Milliarden. Dazu kämen weitere Abgaben wie Lohn-, Mehrwert- oder Grundsteuern.

Mit der Offenlegung der Zahlen kommt der Techgigant den neuen EU-Transparenzrichtlinien nach. Der Bericht schlüsselt detailliert auf, in welchen Ländern das Unternehmen Umsätze generiert, Gewinne verbucht und wie viel Ertragsteuern tatsächlich an die jeweiligen Finanzämter fliessen.

Knotenpunkt Irland

Microsoft betont als Leitprinzip seiner Steuerstruktur, dass Abgaben dort entrichtet werden, wo Mitarbeiter tätig sind, Investitionen getätigt werden sowie Funktionen, Vermögenswerte und Risiken verortet sind. Irland sei der wichtigste operative und finanzielle Knotenpunkt für das Unternehmen in Europa.

Im 2025 verzeichneten die irischen Tochtergesellschaften mit 6654 Mitarbeitern einen Umsatz von 196 Milliarden Dollar und einen Vorsteuergewinn von 47,1 Milliarden. Die tatsächlich im Berichtszeitraum gezahlten Steuern („Income Tax Paid“) betrugen 5,6 Milliarden. Microsoft nennt im Report auch den Grund für die Gewinnkonzentration: In Irland seien zentrale Strukturmerkmale wie das interne Finanzwesen sowie das Verwalten von geistigem Eigentum registriert.

Kleines Stück vom Kuchen für Deutschland

Deutschland ist dem Report zufolge mit 3471 Mitarbeitern einer der grössten europäischen Standorte. Der hier erwirtschaftete Umsatz betrug im vergangenen Geschäftsjahr 11,68 Milliarden Dollar. Vergleichsweise gering fällt jedoch der Vorsteuergewinn aus, der in der Bilanz auf vergleichsweise geringe 661,2 Millionen beziffert wird. In der Konsequenz flossen in Deutschland tatsächlich gezahlte Ertragsteuern in Höhe von lediglich 174,2 Millionen.

Die Diskrepanz zwischen dem Milliardenumsatz und dem geringen Gewinnanteil erklärt Microsoft mit den Aufgaben der hiesigen Einheiten: Die deutschen Gesellschaften sind dem Bericht zufolge fast ausschliesslich auf Vertrieb, Marketing, administrative Unterstützung sowie Forschung und Entwicklung fokussiert. Die eigentlichen, hochprofitablen Software-Rechte liegen hingegen in Knotenpunkten wie Irland.

Sonderfall Frankreich

Microsoft warnt davor, einzelne Zahlen überzuinterpretieren. Der Zeitpunkt der Steuerberechnung und der tatsächlichen Zahlung wichen oft voneinander ab und Steuerrückerstattungen verzerrten das Bild. Das gelte auch für Frankreich. Bei einem Umsatz von 6,67 Milliarden Dollar weist die Tabelle für 2025 bei den tatsächlich gezahlten Steuern einen negativen Betrag von minus 96,4 Millionen aus.

Laut Konzernangaben ist dieser statistische Ausreisser auf eine einmalige Rückerstattung von in den Vorjahren zu viel gezahlten Steuern zurückzuführen. In den drei vorangegangenen Jahren habe Microsoft insgesamt 374 Millionen Dollar an Steuern in Frankreich entrichtet.

Zankapfel Besteuerung von Digitalkonzernen

In der EU schwelt seit Jahren ein erbitterter Streit über die Besteuerung von US-Digitalkonzernen, die nach Einschätzung der Europäischen Kommission zu wenig Abgaben auf dem europäischen Festland leisten. Weil die Techriesen wie Google, Apple oder Microsoft ihre Gewinne vor allem dort versteuern, wo ihre europäischen Hauptsitze gemeldet sind – und nicht dort, wo sie ihre Umsätze mit Millionen von Nutzern tatsächlich erwirtschaften -, drängt die EU-Kommission auf Reformen.

Dabei setzt Brüssel vor allem auf die Umsetzung der globalen Mindeststeuer der OECD und den Digital Markets Act (DMA), um Steuerschlupflöcher zu schliessen und für eine Besteuerung am tatsächlichen Ort der Wertschöpfung zu sorgen.