Tausende begehen Aschura-Fest im Libanon
Inmitten anhaltender Spannungen mit Israel sind im Libanon Tausende Menschen zu Trauerfeiern des traditionellen schiitischen Aschura-Fests zusammengekommen.
Alleine in den Vororten der Hauptstadt Beirut versammelten sich am Morgen Tausende Menschen, wie ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur (dpa) beobachtete. Anwohner sagten, es handele es sich um die grösste Aschura-Prozession der vergangenen Jahre.
Zahlreiche Menschen hielten Plakate und Bilder von im Krieg mit Israel getöteten Hisbollah-Mitgliedern in der Hand. Teilnehmer skandierten Parolen wie „Tod Amerika, Tod Israel“. Gleichzeitig waren während der Prozession israelische Drohnen über den Vororten und der Hauptstadt zu hören.
Traditionelles Trauerfest im schiitischen Islam
Aschura gilt als Trauerfest im schiitischen Islam. Gläubige erinnern dabei an den Märtyrertod des von ihnen verehrten Imams Hussein, ein Enkel des Propheten Mohammed. Während Aschura nehmen Pilger an Trauerprozessionen teil. Für einen Grossteil der Schiiten hat das Fest aber auch rein gesellschaftlichen Charakter und ist Anlass für Treffen mit Familie und Freunden.
Einige Schiiten geisseln sich zu Aschura auch selbst, um an die Leiden Husseins zu erinnern. Auch in der Stadt Nabatija kamen Hunderte Menschen für die Trauerfeier zusammen. Einige von ihnen fügten sich laut Augenzeugen selbst Schnittwunden zu. Ähnliche Prozessionen fanden auch in der Hafenstadt Tyrus statt. Nabatija wurde im Krieg mit Israel weitläufig zerstört.
Hisbollah sieht sich als Sieger
Die Spannungen zwischen der schiitischen Hisbollah und Israel halten unterdessen trotz einer neuen Waffenruhe weiter an. Zuletzt hatten die gegenseitigen Angriffe aber nachgelassen. Israel ist weiter mit Truppen im Libanon aktiv und bekämpft dort auch weiter die Hisbollah. Die israelische und die libanesische Regierung verhandeln derzeit in der US-Hauptstadt über einen Rahmen zum Abzug der Truppen und einer Entwaffnung der Hisbollah.
Hisbollah-Chef Naim Kassim wandte sich zum Anlass von Aschura an seine Anhänger. Die Hisbollah habe das von ihm als israelisch-amerikanische bezeichnete Projekt besiegt und sei in eine neue Phase übergegangen. Die Hisbollah lehne jede Normalisierung mit Israel ab. Kassim forderte die libanesische Regierung erneut auf, keine Annäherung mit Israel einzugehen.
Die Hisbollah ist nicht an den Gesprächen in Washington beteiligt. Die libanesische Regierung selbst ist keine Konfliktpartei im Krieg zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah.
