Mütter spazieren beim „Mom Walk“ mit Kinderwagen gegen Einsamkeit
Mütter gehen gemeinsam spazieren, um die Isolation nach der Geburt zu durchbrechen. Das vor anderthalb Jahren ins Leben gerufene Projekt „Mom Walk Switzerland“ hat sich in Form von Kinderwagen-Spaziergängen auf rund zwanzig Schweizer Städte ausgeweitet.
„Wie heisst der Kleine noch mal?“, fragt eine Mutter im Parc Milan in Lausanne eine andere, die gerade angekommen ist. Ein paar Meter weiter, zwischen zwei Kinderwagen: „Ist die Geburt gut verlaufen?“ oder „Schöner Hut, der gefällt mir!“
„Manchmal sind wir zwanzig, manchmal sind wir zu zweit“, stellt Bérénice Bohbot fest, die Initiantin des Projekts. Eine Nachricht weckt ihr Handy: „Baby macht zu viel Stress, ich komme nicht.“
„Es ist sehr schwer, sich als junge Mutter zu organisieren“, fährt die 33-jährige Niederländerin fort, Mutter einer anderthalbjährigen Tochter. Nach einer Geburt gebe es eine enorme Veränderungen im Leben einer Frau. „Was hier gerade passiert, ist gewaltig. Und plötzlich kann man das mit niemandem teilen“, erzählt Bohbot.
Schweizweite Treffen
Seit Februar 2025 treffen sich Mütter in der Zeit nach der Geburt mehrmals im Monat in Lausanne, Neuenburg, Freiburg, Biel oder auch in Zürich. Inzwischen sind es schweizweit mehr als 3500 Mütter, die sich regelmässig treffen.
Zwischen 65 Prozent und 90 Prozent der Frauen in der Zeit nach der Geburt geben an, ein Gefühl der Einsamkeit zu empfinden, so Bérénice Bohbot. In den schwersten Fällen kann diese Notlage zu Selbstmord führen, der zu den häufigsten Ursachen für perinatale Sterblichkeit in der Schweiz zählt.
Viele der Mütter, die sich Ende Mai in Lausanne zum gemeinsamen Spaziergang treffen, sind erst kürzlich in die Region gezogen und haben Freunde im Ausland zurückgelassen. Einige sind alleinerziehende Mütter. Andere suchen Rat zu Themen wie Schlaf, Stillen und Flaschennahrung, aber auch zur Wohnungssuche oder zur Funktionsweise des Schweizer Verwaltungssystems.
Es geht um Freude und Freundschaft
Erst wenn die Kinder grösser werden und selber laufen wollen, werden die Spaziergänge komplizierter. Bis dahin sind sie kostenlos und für alle jungen Eltern oder Angehörigen der Kleinen zugänglich.
Wenn die Organisatorin eines „Mom Walks“ ihrem davon springenden Kind hinterherläuft, übernimmt eine andere ehrenamtliche Mutter. Die Initiative ist mittlerweile als Verein organisiert. Erste Kontakte zu den Entbindungsstationen des Kantons wurden bereits geknüpft. Die Idee sei es, jeder frischgebackenen Mutter die Möglichkeit zu geben, an den Kinderwagen-Spaziergängen teilzunehmen, sagt Bérénice Bohbot.
