Viren aus Kläranlage schützen Neugeborene vor Hirnhautentzündung
Ein neuer Ansatz soll Babys vor gefährlichen Hirnhautentzündungen bewahren. Forschende aus Zürich und Basel nutzen Viren aus Abwasser, um die auslösenden Bakterien gezielt zu bekämpfen, noch bevor sie übertragen werden.
Das Bakterium Escherichia coli vom Typ K1 siedelt im Darm jedes dritten gesunden Menschen. Bei der Geburt auf ein Neugeborenes übertragen, kann es jedoch verheerende Hirnhautentzündungen verursachen. Ein Forschungsteam der ETH Zürich und der Universität Basel hat nun eine neue Methode entwickelt, um den Erreger bereits vor der Geburt im Darm der Mutter zu eliminieren, wie die ETH Zürich am Montag mitteilte.
Die Therapie funktioniert ganz ohne den Einsatz von Antibiotika. Sie kombiniert Viren, eine Schluckimpfung und probiotische Bakterien.
Viren aus Luzerner Kläranlage
Die Viren, sogenannte Phagen, zwingen das Bakterium E. coli K1 dazu, seine schützende Hülle abzuwerfen. Dadurch werde der Erreger für Antikörper angreifbar, die durch die Schluckimpfung im Darm gebildet würden. Ein harmloses Konkurrenzbakterium verdrängt schliesslich die geschwächten E.-coli-Bakterien.
In Versuchen mit Mäusen sei die Übertragung des Erregers von den Muttertieren auf die Jungtiere von 83 auf 23 Prozent gesenkt worden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. Die Forschenden isolierten die dafür nötigen Phagen aus Abwasserproben der Kläranlage der Agglomeration Luzern.
