Doku-Fiction „La beauté de l’âne“: die Schönheit des Films im Film
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Höfner Volksblatt  
21. Mai 2026

Doku-Fiction „La beauté de l’âne“: die Schönheit des Films im Film

„La beauté de l’âne“ ist eine poetische Aufarbeitung der Geschichte einer ganzen Generation: Die Genfer Regisseurin Dea Gjinovci kehrt mit ihrem Vater in sein verlorenes Dorf im Kosovo zurück.

Es sind warme Farben, die diesen Film ausmachen, selbst in den zerstörerischen Momenten des Krieges. Tücher flattern im Wind, die Sehnsucht schwingt in der Stimme des Vaters. „La beauté de l’âne“, man muss es sagen, ist ein ästhetisches Meisterwerk. Eines, über das Worte zu verlieren schwierig ist.

Die warmen Farben sind jene der Fotos, die die schweizerisch-albanische Regisseurin und Produzentin Dea Gjinovci anschaut. Es ist der Anfang einer Reise: Die Filmemacherin und ihr Vater, der seit sechzig Jahren im Exil in Genf lebt, kehren in sein Heimatdorf Makermal im Kosovo zurück. Das Dorf wurde im Krieg zerstört, und das Einzige, was blieb, sind die Erzählungen der noch lebenden Dorfbewohnerinnen und -bewohner. Mit ihnen versuchen Tochter und Vater, die kollektive Erinnerung an ein verschwundenes Kosovo neu zu erschaffen und dabei intime wie auch historische Wahrheiten offenzulegen.

Eine nachgespielte Geschichte

„Alle Steinhäuser sind verschwunden“, sagt der Vater zu Beginn, als er durch sein Dorf läuft. „Der Krieg hat sie genommen.“ Er geht die Strasse entlang, dann auf eine Wiese, auf einen Stock gestützt: „Hier war es, das Haus. Zweistöckig.“

Für die berührende Doku-Fiction wird das Haus wieder aufgebaut. Angedeutet, eigentlich, nur ein Gerüst, einige wenige Möbel, zum Beispiel ein Bett mit Bettzeug. Und eine Treppe im Zentrum, sie führt ins Nirgendwo und doch überall hin.

Leben bringen aber die Einheimischen auf diese Freiluftbühne: Sie spielen die Geschichte des Vaters nach – Szenen aus dem Kosovo der 1950er-Jahre. Sie enthüllen Erschütterndes, erinnern sich an Alltägliches, vieles bleibt auch unbeantwortet, beispielsweise das mysteriöse Verschwinden der Grossmutter. Diese Art Film im Film ist eine clevere Methode, mit sowohl Lustigem und Schönem, als auch dem Schrecken des Krieges – es könnten alle Kriege sein – umzugehen.

„Du hast mich in ein Dorf zurückgebracht, das nur mehr in meiner Erinnerung existiert“, sagt der Vater einmal unbestimmt zur Tochter. Dea Gjinovci hat noch viel mehr getan: unter anderem aufgezeigt, wie wichtig es ist, Geschichte aufzuarbeiten, und wie poetisch sich eine solche Aufarbeitung anfühlen kann.*

*Dieser Text von Nina Kobelt, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.