Mujinga Kambundji sprintet wieder über die Bahn
Sport
KEYSTONE/KEYSTONE/PETER SCHNEIDER  
9. Mai 2026

Mujinga Kambundji sprintet wieder über die Bahn

Als Mujinga Kambundji im vergangenen November erstmals Mutter wurde, rückte der Spitzensport für einige Wochen in den Hintergrund. Inzwischen bestimmt wieder die Leichtathletik den Alltag der Bernerin, wenn auch unter völlig neuen Voraussetzungen. Der kleine Léon ist oft dabei, wenn seine Mutter trainiert. Familienmitglieder oder Kolleginnen übernehmen das Babysitting, während Mujinga Kambundji auf der Bahn an ihrem Comeback über 100 und 200 m arbeitet.

«Ich habe mich auf das Training gefreut», betont die 33-Jährige an einem Medienanlass in der Sporthalle Wankdorf. «Ich kannte meinen Körper nur als Körper einer Sportlerin.» Nach der Geburt habe sie sich «überhaupt nicht sportlich» gefühlt, sie sei «sogar leicht geschockt» gewesen. «Ich wollte wieder an meinem Körper arbeiten.»

Die Rückkehr auf die Bahn wurde für die zweifache Hallen-Weltmeisterin zur Begegnung mit einem Body, den sie kaum wiedererkannte. Bereits einen Monat nach der Geburt absolvierte die zweimalige Europameisterin erste Einheiten. Von Spitzensport konnte damals allerdings noch keine Rede sein. «Das war mehr Reha als Training», sagt sie. Zunächst standen Rückbildungsübungen und Stabilisation im Zentrum, später kamen Kraftübungen hinzu. Erst 14 Wochen nach der Geburt trainierte die Bernerin wieder auf Spitzensport-Niveau.

Weit weg und wieder nahe dran

Für eine Athletin, deren Karriere auf Explosivität, Stabilität und maximaler Spannung basiert, bedeutete das eine völlig neue Erfahrung. Übungen, die früher selbstverständlich gewesen seien, funktionierten plötzlich nicht mehr. Die Schwangerschaft habe ihren Körper stark verändert, sagt Mujinga Kambundji. «Ich war überrascht, wie weit weg ich vom früheren Niveau war.» Gleichzeitig seien die Fortschritte schneller zurückgekommen als erwartet.

Inzwischen absolviert sie wieder intensive Sprint- und Krafteinheiten, häufig gemeinsam mit ihrer Schwester Ditaji, der Weltmeisterin über 100 m Hürden. Dabei zeigt sich allerdings, dass Mujinga Kambundji körperlich noch nicht dort angekommen ist, wo sie vor der Schwangerschaft stand. «Bänder, Muskeln oder Sehnen sind noch nicht auf Sprint-Niveau», erklärt sie. Alles sei noch weich. Das liege auch daran, dass sie Léon weiterhin stille. «Die Steifigkeit im Körper ist noch nicht da, es geht viel Energie verloren.» Gerade im Sprint spüre sie den Unterschied deutlich. «Früher gab ich 100 Prozent Impuls rein und es kamen 100 Prozent raus. Heute gebe ich 100 rein, und es kommen noch 60 raus.»

Mujinga Kambundji veranschaulicht ihren Zustand mit einem Bild aus dem Motorsport: «Wenn man mich mit einem Auto vergleicht: Der Motor ist schon wieder voll da, aber das Chassis noch nicht.» Sie wisse allerdings, dass sich ihr Körper nach dem Abstillen weiter zugunsten einer Spitzensportlerin verändern werde.

Auch im direkten Vergleich mit ihrer jüngeren Schwester erkennt sie die Unterschiede. Früher habe sie im Sprint-Training das Tempo vorgegeben, während Ditaji mitzuhalten versuchte. «Jetzt ist es umgekehrt.» Dennoch registriert die ältere Schwester ihre Fortschritte mit Genugtuung. «Ich bin schon wieder nahe an Ditaji dran.» Unverändert geblieben sei auch ihr Ehrgeiz. «Ich habe immer noch den Hunger einer Wettkämpferin», betont Mujinga Kambundji. Zwar habe sich mit Sohn Léon vieles rund um den Sport verändert, im Training aber nicht. «Das ist ein professioneller Ort für den Sport geblieben.»

Comeback-Termin noch offen

Sportlich tastet sich Mujinga Kambundji weiterhin vorsichtig an die Wettkampfsaison heran. Wann genau sie wieder ins Renngeschehen eingreifen wird, bleibt offen. «Im Juni dürfte es soweit sein», sagt sie. Zunächst plant sie vor allem Starts in der Schweiz, ehe im August die Europameisterschaften in Birmingham folgen sollen.

Mit konkreten Zielzeiten oder Medaillenprognosen hält sich die Schweizer Rekordhalterin bewusst zurück. «Ich weiss nicht, zu was ich dort fähig sein werde», sagt sie. Statt Resultate in den Vordergrund zu stellen, will sie zunächst herausfinden, wie konkurrenzfähig ihr Körper bereits wieder ist. «Ich freue mich darauf zu sehen, was dieser Sommer hergibt.»

Das wichtigste Ziel einer Spitzensportlerin habe sich mit der Mutterschaft nicht verändert: «Gesund bleiben.» Nur wenn der Körper von Mujinga Kambundji die Belastungen weiterhin Schritt für Schritt annimmt, könnte aus dem Comeback im Sommer auch die Rückkehr auf die grosse Bühne werden.