Malaria-Impfungen senkten Kindersterblichkeit um 13 Prozent
Denn die Impfabdeckung lag bei den ersten drei Impfdosis-Gaben nur zwischen 71 und 83 Prozent von allen infrage kommenden Kindern, wie es von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hiess. Zudem könne die Wirkung womöglich erhöht werden, wenn die vierte Dosis im Alter von etwa zwei Jahren häufiger verabreicht würde: Hier lag die Impfabdeckung der im Fachjournal «The Lancet» vorgestellten Daten zufolge nur bei knapp 40 Prozent.
Die reale Belastung durch malariabedingte Sterblichkeit sei schwer direkt zu erfassen, erläutert das Team um Victor Mwapasa von der Kamuzu University of Health Sciences in Blantyre (Malawi) und Kwaku Poku Asante von der London School of Hygiene & Tropical Medicine in London. «Viele Todesfälle treten zu Hause ein, bevor eine ärztliche Diagnose möglich ist; selbst im Spital lässt sich oft schwer feststellen, ob Malaria eine direkte oder mitwirkende Todesursache war oder eine zufällige Infektion.»
Die Forschenden ermittelten deshalb die allgemeine Sterblichkeit aller Kinder in den untersuchten Gebieten im impfberechtigten Alter, ausgenommen wurden nur Tode durch Verletzungen. Weil die Bedingungen der untersuchten Gruppe und der Vergleichsgruppe sonst weitgehend gleich waren, gehen die Unterschiede in der Todesrate vermutlich auf die Malaria-Impfung zurück.
Gebiete in Ghana, Kenia und Malawi einbezogen
Die Untersuchungsregion umfasste 66 Gebiete in Ghana, 46 Gebiete in Kenia und 46 Gebiete in Malawi, insgesamt also 158 einzelne Gebiete (meist Verwaltungseinheiten). Diese Gebiete wurden nach dem Zufallsprinzip eingeteilt in die Untersuchungsgruppe, in der der Malaria-Impfstoff RTS,S/AS01E zum Standard-Impfangebot für Kleinkinder gehörte und eine Vergleichsgruppe, in der dies nicht der Fall war. Die Malaria-Impfungen wurden – auf freiwilliger Basis – bei Kindern in Ghana und Kenia im Alter von 6, 7, 9 und 24 Monaten durchgeführt, bei Kindern in Malawi im Alter von 5, 6, 7 und 22 Monaten.
Im Untersuchungszeitraum 2019 bis 2023 erhielten insgesamt fast 1,3 Millionen Kinder die erste Impfdosis, bei den folgenden zwei Impfrunden waren es etwas weniger. Die vierte Impfdosis wurde nur noch 436.527 Kindern verabreicht, was nur knapp 40 Prozent aller infrage kommenden Kindern waren. Bei allen Kindern, die dem Alter nach drei Impfdosen hätten erhalten können, war die Todesrate in der Untersuchungsgruppe um 13 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe.
Noch bessere Werte möglich
«Es ist zu erwarten, dass weitere Verbesserungen der Impfquote für die erste und die vierte Dosis, insbesondere in Haushalten mit geringerem Einkommen und in Gebieten mit der höchsten Malaria-Prävalenz, zu einer entsprechend grösseren Wirkung führen würden», schreiben die Studienautoren.
Um Todesfälle zu dokumentieren, arbeiteten die Forschenden mit einem Netzwerk aus mehr als 26’000 lokalen Berichterstattern, die Todesfälle in ihren Kommunen meldeten. Mitglieder des Forschungsteams besuchten die Familien der toten Kinder, um etwas über die Todesursachen zu erfahren. Zudem wurde sorgfältig überwacht, ob andere Massnahmen, die die Sterblichkeit beeinflussen könnten, in Anspruch genommen wurden.
«Dabei zeigte sich, dass die Impfquote für andere Routineimpfungen, die Verwendung insektizidbehandelter Moskitonetze und der Zugang zur Gesundheitsversorgung in den Untersuchungs- und Vergleichsgebieten während des gesamten Evaluierungszeitraums vergleichbar waren», heisst es in der Studie.
Das Forschungsteam sieht es deshalb als erwiesen an, dass die Malaria-Impfungen etwa einen von acht Todesfällen durch Malaria im Untersuchungsgebiet verhindern konnten. «Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, den Einsatz von Malaria-Impfstoffen in Gebieten Afrikas zu beschleunigen, in denen Malaria weiterhin eine der Hauptursachen für Kindersterblichkeit ist», heben die Forschenden in ihrer Studie hervor.
