Im Tessin werden ab Montag künstliche Erdbeben ausgelöst
Wirtschaft
18. April 2026

Im Tessin werden ab Montag künstliche Erdbeben ausgelöst

Über mehrere Tage pressen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Wasser in einen Bruch zwischen zwei Gesteinsschichten im Bedrettolab, einem Forschungslabor der ETH Zürich im ehemaligen Bedretto-Baustollen des Furkatunnels. Das soll die Gesteinsblöcke in Bewegung versetzen und so die Erde zum Beben bringen.

Für das Experiment erhöhen die Forschenden den Druck schrittweise, bis es zu einem Erdbeben der Magnitude 1 kommt oder bis 2000 Kubikmeter Wasser in das Gestein gepresst worden sind.

Knopf wird in Zürich gedrückt

Gemäss der Risikobewertung würde ein Beben der Magnitude 1 voraussichtlich keine Schäden verursachen, heisst es auf der Projektwebseite. Sehr geringfügige Schäden in der Nähe des Experiments seien jedoch möglich. Schwerwiegende Schäden an den Tunnels seien erst ab einer Magnitude von 2,5 zu erwarten. Die Wahrscheinlichkeit dafür werde auf rund ein Prozent geschätzt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Erdbeben ausserhalb des Bedretto-Tunnels Schäden verursacht, liegt laut den Forschenden bei 1 zu 10’000. Diese Wahrscheinlichkeit sei deutlich niedriger als die Wahrscheinlichkeit, dass ein natürliches Erdbeben im gleichen Zeitraum in der Region spürbar sei oder Schäden verursache, so die Forschenden.

Trotzdem befinden sich während des Experiments keine Personen im Tunnel. Ausgelöst wird das Experiment von Zürich aus.

Erbeben vorhersagen?

Mit den Messungen direkt am Entstehungsort eines Bebens will das Forschungsteam grundlegende Fragen klären. Dazu gehört, was unmittelbar vor einem Erdbeben geschieht und was ein solches Ereignis zum Stillstand bringt.

Die Forschenden erhoffen sich, mit den Daten die Vorhersage von Erdbeben zu verbessern. Bisher sei aber unklar, wie vorhersehbar Erdbeben wirklich seien, erklärten die Forschenden. Trotz jahrzehntelanger Suche seien bislang keine verlässlichen Vorhersagesignale gefunden worden.

«Da wir nicht die Zeit haben, zu warten, bis es am genau richtigen Ort wieder zu einem Erdbeben kommt, lösen wir sie selber aus», sagte Stefan Wiemer von der ETH Zürich und dem Schweizerischen Erdbebendienst bei einer Vorstellung der anstehenden Experimente im vergangenen September.

Das Projekt mit dem Namen «Fault Activation and Earthquake Rupture» (FEAR) wird vom Europäischen Forschungsrat (ERC) mit 14 Millionen Euro gefördert.