Hormus-Passage: Schifffahrt misstraut Politik
Politik
18. April 2026

Hormus-Passage: Schifffahrt misstraut Politik

Nach Einschätzung von John-Paul Rodriguez, Experte für Seeschifffahrt an der Texas A&M University, halten widersprüchliche Statusmeldungen Reedereien von der Durchfahrt ab. Rodriguez sagte dem Sender Al Jazeera: «Seit der Ankündigung haben Schiffe versucht, die Meerenge zu passieren … aber es sieht so aus, als würden viele von ihnen umkehren, weil die Lage unklar ist.» Grosse Reedereien würden sich wahrscheinlich nicht wohl dabei fühlen, die Meerenge zu durchfahren, bis die «derzeitige iranische Sperre vollständig aufgehoben» sei.

Der Iran hatte die Wasserstrasse nach Beginn der militärischen Auseinandersetzungen mit Israel und den USA am 28. Februar 2026 gesperrt. Zwar erklärte Aussenminister Abbas Araghtschi am Freitag, die Passage sei im Zuge der Waffenruhe für den Handel geöffnet. Teheran knüpft dies jedoch an Bedingungen. Schiffe müssen eine Genehmigung der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) einholen und auf fest vorgegebenen Routen verbleiben. Unklar ist, ob sie auch eine Maut zahlen müssen.

Parallel dazu halten die USA an ihrer Seeblockade fest, die nur für Schiffe mit Start- oder Zielhafen im Iran gilt. Sie bleibe «bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen mit dem Iran» bestehen, schrieb US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social.

Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf warnte daraufhin, die Strasse von Hormus werde nicht offen bleiben, wenn die US-Blockade der iranischen Häfen andauere.

Der Analysedienst Kpler schrieb auf der Plattform X, dass die politischen Ankündigungen beider Seiten stark von der operativen Realität abwichen. Eine Rückkehr zur Normalität und die Wiederherstellung des Vertrauens der Versicherungsmärkte werde Monate in Anspruch nehmen.