Protest in der Türkei: Wie ein Pokémon zum Politikum wurde
Regierungsnahe Medien versuchten, das Pikachu-Kostüm als Teil einer gezielten Kampagne der Opposition darzustellen. Im Sender CNN Türk wurde Protestierenden vorgeworfen, das süsse Wesen als Mittel «psychologischer Kriegsführung» einzusetzen. Die Opposition wolle den Protest so sympathischer erscheinen lassen und mehr Menschen auf die Strasse bringen. In einer ausführlichen Diskussion sendete der Kanal sogar eine Liste angeblicher «Eigenschaften» Pikachus – darunter die Fähigkeit, Feinde mit Elektrizität anzugreifen und über Blitze zu kommunizieren.
Viele Protestierende haben sich das Pokémon seither als Symbol angeeignet. Aber auch vonseiten der Demonstrierenden kam Kritik. Nutzer im Internet etwa beklagten, der Protest werde verharmlost und als Spassveranstaltung dargestellt, obwohl es Hunderte Festnahmen und Gewalt gebe.
Die Proteste in der Türkei halten unterdessen weiter an. Seit der Festnahme und Absetzung des Istanbuler Bürgermeisters gehen landesweit Zehntausende Menschen auf die Strasse. Allein in Istanbul waren es am Sonntag Hunderttausende Menschen. Laut Innenministerium wurden bislang fast 2000 Menschen festgenommen, mehrere Hundert kamen in Untersuchungshaft.
