Der AFC Wrexham peilt die Premier League an
Im Rahmen seiner Saisonvorbereitung spielt der AFC Wrexham im Sommer auf seiner USA-Tournee gegen den FC Liverpool. Gut möglich, dass Wrexham die grossen Namen bald auch im eigenen Stadion zu Gast hat. Gut fünf Jahre nach der spektakulären Übernahme durch Reynolds und Mac peilt der Klub Historisches an.
Wrexham steht zwei Runden vor dem Saisonende in der Championship, Englands zweithöchster Spielklasse, auf einem Playoff-Platz und will es über diese in die Premier League schaffen. Vier Spiele trennen den Klub aus dem Nordosten von Wales vom historischen vierten Aufstieg in Serie. Wrexham muss sie alle gewinnen.
Vier Spiele bis zur Premier League
Im Saisonendspurt liefert sich der Klub ein enges, hoch spannendes Rennen mit Hull City. Als Tabellensechster mit 70 Punkten ist Wrexham punktgleich mit dem Siebten, hat aber die bessere Tordifferenz. Nur zwei Treffer trennen die beiden Konkurrenten in der Tabelle. Schon jetzt haben die Red Dragons ihre höchste Position der Vereinsgeschichte in der englischen Fussball-Hierarchie sicher. Aber das reicht dort niemandem.
«Natürlich wäre es besser, wenn wir aufsteigen», betonte Stürmer Josh Windass, der mit 15 Toren massgeblichen Anteil am Erfolg hat, im Interview auf der Vereinswebsite. «Aber ich schätze, wenn ich im nächsten Jahr zurückblicke und wir es nicht geschafft haben, sage ich trotzdem, dass es eine gute Saison war. Momentan denke ich darüber allerdings nicht nach.»
Eine Kleinstadt bekommt Hollywood-Flair
Seit der Übernahme durch Reynolds und Mac – weil niemand seinen ursprünglichen Nachnamen McElhenney aussprechen konnte, änderte er ihn kürzlich – geht es für Wrexham fast stetig bergauf. Im ersten Jahr danach verpassten die Red Dragons den Aufstieg in den Playoffs. Doch dann gelangen Wrexham als bislang einzigem Profi-Fussballklub auf der Insel drei Aufstiege nacheinander – von der fünftklassigen National League bis in die Championship.
Noch vor ein paar Jahren dümpelte der nach eigenen Angaben drittälteste professionelle Fussballverein der Welt bedeutungslos vor sich in. Jetzt ist Wrexham eine globale Marke mit Fans auf der ganzen Welt, unter ihnen viele Promi-Freunde der Inhaber. Im The Turf, dem Pub neben dem Stadion, begegnet man vor Heimspielen gelegentlich Filmstars wie Hugh Jackman, Will Ferrell oder Paul Rudd.
Ein Fussballklub wird ein TV-Phänomen
Der rasante Aufstieg des AFC Wrexham ist eng verknüpft mit der Doku-Serie «Welcome to Wrexham». Reynolds und Mac liessen schon vor der Übernahme die Kameras mitlaufen und dokumentierten alles. Bisher wurden fünf Staffeln produziert, ein Ende ist nicht in Sicht. Gerade wurde die Serie um ganze drei Staffeln bis mindestens 2029 verlängert.
Dank des Mitwirkens der beiden Eigentümer, die reichlich Humor mitbringen, fand die Serie schnell ein grosses Publikum. Auch die Spieler sowie Trainer Phil Parkinson, der seit 2021 im Amt ist und laut Mac der «Architekt des Erfolgs» ist, sind inzwischen weit über die Kleinstadt mit ihren 45’000 Einwohnern hinaus bekannt.
Eigentümer investieren in die Zukunft
Der AFC Wrexham ist für die beiden Eigentümer offensichtlich kein – oder nicht nur ein – Imageprojekt. Die Hollywood-Millionäre gelten als leidenschaftliche, echte Fans. Wer daran zweifelt, muss sich nur Reynolds Instagram-Kanal anschauen. Mit Abstand die meisten Beiträge dort drehen sich um Wrexham, nicht um seine Filmkarriere.
Was bei den Fans zudem gut ankommt: Das Duo investiert gezielt in die Mannschaft und die Infrastruktur. Das Stadion, der Racecourse Ground mit aktuell 13’500 Plätzen, wird vergrössert. Bis zum Sommer soll der neue Kop Stand fertig sein. Reynolds und Mac haben weitere Pläne. Zum Jubiläum schrieb Reynolds in sozialen Medien: «5 Jahre, es fühlt sich an, als würden wir gerade erst anfangen.»
Nach heftigem Dämpfer ist Wrexham zurück auf Kurs
Vor Saisonbeginn galt der erneute Aufstieg nicht als Muss. Dennoch war es kein Geheimnis, dass die Premier League für alle beim AFC Wrexham das Ziel ist. Nach einem Dämpfer mit zwei Niederlagen – darunter die heftige 1:5-Pleite gegen den formstarken FC Southampton – glaubt man nun wieder daran, dass es schon am 23. Mai im Playoff-Final im Londoner Wembley klappen könnte.
Wenn Wrexham im Juli im New Yorker Yankee-Stadion gegen den FC Liverpool spielt, treffen vielleicht zwei Premier-League-Teams aufeinander.
