Den Innerschweizern steht eine schwierige Saison bevor
Sport
25. April 2026

Den Innerschweizern steht eine schwierige Saison bevor

Der traditionelle Berchtold-Schwinget in der Saalsporthalle in Zürich eröffnete am 2. Januar die Schwingsaison, die im Kilchberger Schwinget vom 5. September gipfelt. Dazwischen stehen neben zahlreichen Regionalfesten auch 38 Kranzfeste an, ein Grossteil davon bereits im Mai. Eine Einschätzung zu den Kräfteverhältnissen.

Zwei Powertruppen

Mit Samuel Giger und Werner Schlegel standen sich zwei Nordostschweizer im Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests im vergangenen Jahr in Mollis gegenüber. Dass nach einem Gestellten zwischen den beiden mit Armon Orlik ein Athlet aus dem Nordostschweizer Verband den Königstitel erbte, zeigt die enorme Dichte an Spitzenschwingern in diesem Teilverband. Auch in diesem Jahr dürfte bei Festen mit Ostschweizer Beteiligung kein Weg an Orlik & Co. vorbeiführen. Denn mit Damian Ott, Domenic Schneider und Marcel Räbsamen lässt sich auch die zweite Garde mehr als sehen.

Der einzige Teilverband, der es sowohl in der Breite als auch in der Spitze mit den Nordostschweizern aufnehmen kann, ist jener aus Bern. In Mollis holte kein anderer Teilverband so viele Kränze (12) wie die Berner, die den Nordostschweizern mit dem Power-Trio Fabian Staudenmann, Michael Moser und Adrian Walther dagegenhalten. Hinzu kommen Matthias Aeschbacher und Curdin Orlik, die an jedem Fest den Sieg holen können. Zwischen den Nordostschweizern und den Bernern darf ein Kampf auf Augenhöhe erwartet werden.

Ein Sorgenkind und ein Emporkömmling

Wenn überhaupt, dann nur punktuell eingreifen dürfte in dieses Duell der Innerschweizer Verband. Zu schwer wiegen die Rücktritte von König Joel Wicki und dem Zuger Hünen Pirmin Reichmuth. In die Bresche springen sollen die routinierten Marcel Bieri und Sven Schurtenberger sowie der talentierte Urner Neueidgenosse Lukas Bissig. Ob das jedoch reicht, um der Konkurrenz Paroli zu bieten, darf zumindest bezweifelt werden.

Nicht verstecken müssen sich die Nordwestschweizer. Nebst den arrivierten Nick Alpiger, Adrian Odermatt und dem derzeit noch am Knie verletzten Joel Strebel haben sie in Sinisha Lüscher und Marius Frank zwei hoffnungsvolle Talente, die in Mollis den Eidgenössischen Kranz holten und mit ihrer spektakulären Schwingart weiter für Aufsehen sorgen können.

In der Aussenseiterrolle sind auch in dieser Saison die Südwestschweizer. In Mollis holten sie durch Benjamin Gapany lediglich einen Kranz – Romain Collaud und Lario Kramer verpassten das angestrebte Eichenlaub. Eine schlechtere Ausbeute gab es für den SWSV an einem Eidgenössischen lediglich zweimal.

Mehrere Gigantentreffen

Ein erstes Mal werden die Karten am Nordostschweizer Teilverbandsfest (28. Juni) aufgedeckt, wenn Fabian Staudenmann im Hoheitsgebiet von König Armon Orlik gastiert. Umgekehrt wollen Orlik, Samuel Giger und Werner Schlegel beim Berner Kantonalen am 5. Juli im Wankdorf für einen Gastsieg sorgen.

Stark besetzt sind wie gewohnt die Bergfeste. In der Naturarena auf dem Brünig (26. Juli) messen sich traditionell die Berner und die Innerschweizer. In diesem Jahr geniesst der Nordostschweizer Verband Gastrecht auf der Passhöhe zwischen den Kantonen Obwalden und Bern. Mit Orlik, Giger und Schlegel reist er mit seinen Aushängeschildern an. Die Berner halten mit Staudenmann, Aeschbacher und Curdin Orlik dagegen, die Innerschweizer Hoffnungen ruhen auf Bieri und Bissig.

Auf der Schwägalp (16. August) treffen Nordostschweizer und Berner ebenfalls aufeinander. Giger, Orlik, Ott, Räbsamen und Schlegel bekommen es mit Aeschbacher, Moser, Staudenmann und Walther zu tun.

Der Saisonhöhepunkt am Zürichsee

Grosser Höhepunkt der diesjährigen Saison ist das Kilchberger Schwinget am 5. September. Seit 1927 wird es im Sechsjahres-Rhythmus durchgeführt. Nur 60 Schwinger geniessen Startrecht, womit die Dichte an Spitzenathleten deutlich höher ist als beim ESAF (274 Schwinger) oder am Unspunnen (120).

Beim letzten Kräftemessen oberhalb des Zürichsees, das aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr nach hinten verlegt worden war, schwang ein Trio obenaus – ein Novum in der bald 100-jährigen Geschichte des Festes mit eidgenössischem Charakter. Die Nordostschweizer Samuel Giger und Damian Ott teilten sich den Sieg mit dem Berner Fabian Staudenmann. Alle drei gehören auch dieses Jahr zu den Favoriten – nebst vielen anderen.