«Am Schluss war die Leistung einfach nur noch peinlich»
Sport
19. März 2026

«Am Schluss war die Leistung einfach nur noch peinlich»

Der Auftritt von Bern im entscheidenden Spiel um die Playoff-Qualifikation bei den Rapperswil-Jona Lakers zum Ende einer Ära wirft viele Fragen auf - dementsprechend gross ist die Kritik.

Die Berner Fans liessen ihrem Unmut nach dem desolaten Ausscheiden gegen die Lakers in der zweiten Play-In-Runde freien Lauf. «Hinterfragt euch, ob ihr dem Logo noch würdig seid. Die Saison war Scheisse», schrieben sie auf einem Transparent. Auf einem weiteren stand: «Als Spieler top, als Sportchef flop! Wer wird die nächste Träne im Sportchef-Karussell?» Dass sie diese Botschaften schon im Voraus vorbereitet haben, sagt einiges aus.

Doch was sie dann von ihren Lieblingen zu sehen bekamen, damit hatten wohl die grössten Pessimisten nicht gerechnet. Was die Berner nach der ersten Pause zeigten, war erschreckend – umso mehr angesichts der Wichtigkeit der Partie. Sportdirektor Martin Plüss sagte dazu: «Das erste Drittel fand ich okay. Das zweite war überhaupt nicht gut, und im dritten ist auch keine Steigerung mehr erfolgt. Ausscheiden ist das eine, jedoch ist die Art und Weise enttäuschend.»

Verständnis für Frustration

Am 19. Dezember lag der SCB noch auf dem zweitletzten Platz – und musste das Schlimmste befürchten. In der Folge gewann er neun der nächsten zwölf Partien und schien auf Erfolgskurs zu sein. In den letzten elf Spielen der Qualifikation gab es dann aber nur noch drei Siege. Dennoch erhielten die Berner die Möglichkeit, im Play-In die Saison noch zu retten. In der ersten Runde zeigten sie im zweiten Duell gegen Biel (4:0) eine der besten Leistungen der Saison. Danach titelte der «Blick»: «Starten die Berner jetzt wieder zum Meistertitel durch?» Es blieb bei einem kurzen Strohfeuer.

Das stört Plüss enorm: «Wir arbeiteten uns nach oben, es wäre alles noch möglich gewesen, und dann holen wir zu wenig aus uns heraus.» Zur Kritik an seiner Person sagt er: «Es herrscht freie Meinungsäusserung, ich verstehe jegliche Frustration. Ich bin in der Gesamtverantwortung für den Sport, und dieser stelle ich mich.»

Zu tun gibt es für ihn einiges. Seit dem 16. Meistertitel vor sieben Jahren kam der SCB nie mehr über die Viertelfinals hinaus – nun verpassten sie diese gar zum dritten Mal seit 2019. Dabei schienen die Berner vor dieser Meisterschaft auf einem guten Weg zu sein. In den letzten beiden Jahren scheiterten sie im Viertelfinal jeweils erst im siebenten Spiel, nachdem sie zuvor in der Qualifikation die Ränge 5 respektive 3 belegt hatten. Von daher entspricht die Saison einem klaren Rückschritt – oder in den Worten von Captain Ramon Untersander: «Mit diesem Ende ist sie eine Katastrophe. Jeder muss in den Spiegel schauen und sich fragen, ob er alles für das Logo gegeben hat.»

Mangelnde Effizienz und keine klare Nummer 1

Eines der Hauptprobleme ist rasch gefunden: die Effizienz. Bei keinem Team war diese in der Regular Season geringer als bei den Bernern, die am zweitmeisten Torschüsse verzeichneten. In den beiden Partien der zweiten Play-In-Runde gegen die Lakers gelang bloss ein Tor. Das 0:4 am Mittwoch war das neunte Spiel in dieser Saison, in dem der SCB keinen Treffer erzielte. Der beste Skorer der Mannschaft, Victor Ejdsell, verbuchte bloss 29 Punkte (16 Tore). Nur ein Schatten seiner selbst war Miro Aaltonen, der in 47 Partien mickrige sechs Mal traf.

Bei den Ausländern verfügt Plüss über Spielraum, da die Verträge von Ejdsell, Emil Bemström, Aleksandr Jakowenko, dem von HC Lugano ausgeliehenen Mike Sgarbossa sowie von Goalie Adam Reideborn auslaufen – ebenso jener des anderen Torhüters Sandro Zurkirchen. Die beiden Keeper bestritten im Play-In je zwei Partien, es gab also keine klare Nummer 1, was als weiteres Problem geortet wurde.

Klar ist, dass Bern auf dieser Position besser aufgestellt sein muss, um an alte Zeiten anzuknüpfen. «Es ist offen, ob wir mit einer Schweizer oder mit einer Importlösung in die nächste Saison gehen. Beides ist momentan noch möglich», so Plüss. Er liess sich soweit in die Karten blicken, als er sagt, dass der 25-jährige Christof von Burg, der trotz starken Leistungen bei Thurgau keine Chance erhielt, «eine andere Rolle wie in dieser Spielzeit haben wird.» Lösen muss Plüss auch die Trainerfrage, die bis spätestens Anfang Mai geregelt sein soll. Es würde erstaunen, wenn die Zusammenarbeit mit Heinz Ehlers, der am 6. Oktober Jussi Tapola abgelöst hatte, fortgesetzt würde.

Ende einer Ära

Mit dem Ausscheiden der Berner endete eine Ära, nämlich jene von CEO Marc Lüthi, der 1998 das Kommando im Verein übernommen hatte. Der 64-Jährige verliess das Stadion schon vor der Schlusssirene, was jedoch nicht aussergewöhnlich sei, wie er am Telefon gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärt. Dennoch: Hat er sich geschämt? «Geschämt nicht, es hat mich einfach ‚endlos angeschissen‘ – primär für unsere Fans und sekundär für unsere Sponsoren und andere Stakeholder. Am Schluss war die Leistung einfach nur noch peinlich.»

Zu den Transparenten der Fans sagt er: «Wir sind im Sport, wir dealen mit positiven und negativen Emotionen. Im Moment sind es sicher sehr negative, und dann sollen sie auch ihren Unmut kundtun können.» Zur Kritik an Plüss meint er: «Ich weiss nicht, wie oft ich in meinen 28 Jahren das Arschloch war – unzählige Male. Na und? Mit dem musst du in einem solchen Job leben – und vor allem alles daran setzen, dass es wieder anders wird.»

Was muss passieren? «Das geht mich nichts mehr an.» Er gibt aber zu, dass es nicht einfach sei, Distanz zu gewinnen. «Wenn du ein Kind, ich sage es mal so, 28 Jahre lang begleitest, kannst du nicht einfach loslassen. Es wird mich immer interessieren, was in diesem Klub vor sich geht – einfach in Zukunft aus der Distanz.»