Schweizer Kulturzentrum in Paris vor der Wiedereröffnung
Während vier Jahren ist das Centre culturel suisse in Paris renoviert worden. Jetzt wird es wieder eröffnet. Gegründet wurde das Kulturzentrum 1985 als Schaufenster für zeitgenössische schweizerische Kunst.
Das Schweizer Kulturzentrum (CCS) ist in einem Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert im Pariser Marais-Viertel in der Rue des Francs-Bourgeois untergebracht. Vier Jahre lang war es nicht Bühne für Künstlerinnen und Künstler, sondern Schauplatz zahlreicher Bauarbeiten. «Es wurde nötig, die technischen Anlagen zu modernisieren und das Gebäude für alle zugänglich zu machen», sagte Direktor Jean-Marc Diébold der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das CCS ist die erste Aussenstelle, die Pro Helvetia im Ausland eröffnet hat.
Mit der Renovation wurden die Wege zwischen den Räumen neu und die Säle modular gestaltet. «Wir wollten einen Ort, der alle künstlerischen Disziplinen beherbergen kann, von der Musik über die darstellenden Künste bis hin zu den bildenden Künsten und der Literatur», so Diébold.
Schweizer Schaufenster in Paris
Seit seinem Amtsantritt 2019 hat Diébold Sparten wie Zirkus, Puppentheater und Dramatik am CCS etabliert und bereits vor der Schliessung einen Wandel eingeleitet, etwa mit neuen Partnerschaften.
Während der Jahre, in denen renoviert wurde, ist die Institution auf Tour gegangen, hat ihre Arbeit an Orten von Dünkirchen bis nach Guadeloupe fortgesetzt. «Wir werden diese Idee von ‚CCS On Tour‘ weiterverfolgen», sagte Diébold.
Seiner Meinung nach sei das CCS in einem «extrem wettbewerbsintensiven» Markt mit täglich tausend künstlerischen Angeboten in Paris ein strategischer Trumpf für die gesamte Schweizer Szene der zeitgenössischen Kunst. «Angesichts des im Rahmen von ‚On Tour‘ aufgebauten Netzwerks, verfügen die Künstler über hervorragende Präsentationsplattformen», meint der Franko-Schweizer. «Auf internationaler Ebene präsent zu sein, ist für Schweizer Künstlerinnen und Künstler eine lebenswichtige Notwendigkeit. Der Markt und das Netzwerk in der Schweiz sind zu klein. Die Schweiz muss sich eine ehrgeizige internationale Kulturpolitik mit den entsprechenden Mitteln geben.»
Ort für künstlerische Provokation
Dabei war das Zentrum seit seiner Gründung auch hin und wieder ein Ort von Kontroversen und künstlerischen Provokationen. In Erinnerung geblieben ist das Jahr 2004, als Thomas Hirschhorn mit seiner Ausstellung «Swiss-Swiss Democracy» die Wahl des SVP-Chefs Christoph Blocher kritisierte. «Damals hat Blocher die Ausstellung öffentlich kritisiert. Das hat gezeigt, wie wichtig es ist, die künstlerische Freiheit angesichts politischen Drucks zu wahren», sagte Diébold. Das damalige Parlament hatte gar beschlossen, das Budget der Stiftung für das folgende Jahr um eine Million Franken zu kürzen.
Laut Diébold gewährleiste Pro Helvetia die künstlerische Unabhängigkeit des Schweizer Kulturzentrums. «Wir sind nicht vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten abhängig. Das sichert uns Programmfreiheit und schützt uns vor politischen Einflüssen oder Strategien der Kulturdiplomatie.» Dabei verfolge das CSS ausdrücklich keine Strategie der Kulturdiplomatie oder der Soft Power, wie es beispielsweise französische Institute tun. «Das ist unsere Stärke und unsere Einzigartigkeit, um die uns viele ausländische Kulturinstitute in Paris beneiden.»
Von den in Bern beschlossenen Sparmassnahmen sei das CCS in diesem Jahr nicht betroffen. «Die Unsicherheit betrifft die Zukunft und vor allem die Zukunft von Pro Helvetia.» Damit meint Diébold die finanziellen Mittel, mit denen schweizerisches Kunstschaffen im Ausland gefördert wird. Denn: «In zahlreichen Ländern sind Schweizer Künstlerinnen und Künstler nicht ausreichend präsent.»
Seine Wiedereröffnung begeht das CSS vom 26. bis 29. März mit einem Fest; Konzerte, Performance, Filmvorführungen und Ausstellungen sind geplant.
