Odermatt ist zum fünften Mal in Folge der beste Skifahrer der Welt
Sport
13. März 2026

Odermatt ist zum fünften Mal in Folge der beste Skifahrer der Welt

Marco Odermatt gewinnt zum fünften Mal in Folge den Gesamtweltcup. Es ist die logische Folge einer erneut überragenden Saison, in der ein 2. Platz die grösste Niederlage ist. Eine Huldigung in Zahlen.

Sieg in Adelboden, Sieg in Wengen, dreimal Edelmetall an den Winterspielen in Bormio, dazu zum wiederholten Mal der Gewinn mehrerer Kristallkugeln: Marco Odermatt ist auf der Zielgeraden eines Winters, der wiederum mit Superlativen aufwartet.

In Erinnerung bleiben die fast schon gewohnten Jubelbilder, einerseits. Da sind aber auch Bilder, die eine andere Facette des Überirdischen zeigen, eine verletzliche, menschliche. Tränen, die Odermatt in Kitzbühel nach dem verpassten Sieg nicht verstecken kann, nicht verstecken will. Sie sind Ausdruck des absoluten Siegeswillens, der ihn dorthin gebracht hat, wo er heute steht: auf dem Thron – und dies zum fünften Mal in Serie. Es ist nur eine von vielen eindrücklichen Zahlen, welche der Nidwaldner in dieser Saison produzierte.

5: Seit 2022 kann Odermatt im Gesamtweltcup niemand auch nur annähernd das Wasser reichen. Mit seiner nun fünften grossen Kristallkugel lässt er Pirmin Zurbriggen hinter sich und schliesst zu Marc Girardelli auf. Nur Marcel Hirscher hat mit acht Gesamtweltcupsiegen mehr auf dem Konto.

Dem einst für Österreich auftrumpfenden und nun für die Niederlande startenden Techniker den Rekord streitig zu machen, ist nicht das erklärte Ziel von Odermatt. Bereits vor der Saison stellte er in Aussicht, den Fokus in naher Zukunft zusehends auf die Speed-Disziplinen zu verschieben.

632: So viele Punkte Vorsprung hat Odermatt im Gesamtweltcup bei noch sechs ausstehenden Rennen auf seinen ersten Verfolger Lucas Pinheiro Braathen. Selbst wenn man die 495 Punkte aus dem Riesenslalom ausklammert, hätte er noch eine Reserve von 137 Zählern. Heisst im Umkehrschluss: Auch wenn er seine einstige Paradedisziplin dereinst nicht mehr bestreitet, hat Odermatt nach wie vor beste Möglichkeiten auf die grosse Kristallkugel.

3×4: Es ist zwar noch nicht in Stein gemeisselt – im Riesenslalom ist Pinheiro Braathen vor dem Saisonfinale bis auf 48 Punkte an ihn herangerückt – aber: Die Chancen, dass Odermatt in der dritten Saison in Folge vier Kristallkugeln gewinnt, stehen mehr als gut. Er wäre der erste Skifahrer, dem dies gelingen würde. Und es wäre eine noch grössere Leistung als der fünfmalige Gewinn des Gesamtweltcups. Weil Odermatt in jeder Disziplin, in der er am Start steht, der Konstanteste ist. Und dies als Allrounder, der sich gegen lauter Spezialisten behaupten muss. Mehr Dominanz geht nicht.

3: Odermatt reist als grosser Favorit an die Olympischen Spiele und kehrt mit drei Medaillen aus Bormio zurück. Er holt Silber im Riesenslalom und der Team-Kombination sowie Bronze im Super-G. Dennoch wird er von verschiedenen Medien als «tragische Figur» der Spiele betitelt, werden seine Resultate als «Enttäuschung» bezeichnet. Es ist der Massstab, der zwar ungerechtfertigt ist und nur bei ihm angewendet wird, für den er mit seinen herausragenden Leistungen aber auch selbst verantwortlich ist.

Die Show in Bormio stiehlt ihm Teamkollege Franjo von Allmen, der dreimal Gold holt. Was im Trubel um den Berner Oberländer beinahe untergeht: Mit vier Medaillen – 2022 gewann er bereits Gold im Riesenslalom – stellt Odermatt einen weiteren Rekord auf. Er ist der erfolgreichste männliche Schweizer Skifahrer an Olympischen Spielen.

54: Odermatt schraubt auch in Sachen Weltcupsiege weiter an seinem Legendenstatus. Mit seinem Triumph in der Abfahrt in Garmisch zieht er mit erst 28 Jahren mit Hermann Maier gleich und klettert in der ewigen Bestenliste auf Platz 3. Nur Ingemar Stenmark (86) und Marcel Hirscher (67) haben mehr Siege auf dem Konto.

102: In Kitzbühel erreicht Odermatt einen weiteren Meilenstein. Er knackt die magische Marke von 100 Podestplätzen auf höchster Stufe. Als erst fünfter Fahrer nach Ingemar Stenmark (155), Marcel Hirscher (138), Henrik Kristoffersen (102) und Marc Girardelli (100). Aus dem nationalen Blickwinkel betrachtet liegt Odermatt auch geschlechterübergreifend an der Spitze. Sein 3. Rang in der Abfahrt in Courchevel ist sein 102. Podestplatz im Weltcup. Damit lässt er Vreni Schneider und Lara Gut-Behrami hinter sich, die jeweils 101 Weltcup-Podeste herausgefahren haben.

40,91 Prozent: Die Siegquote von Odermatt in dieser Saison ist herausragend. 22 Mal steht er im Weltcup am Start, neunmal steigt er zuoberst auf das Podest. Er hat zum jetzigen Zeitpunkt schon mehr Siege auf dem Konto als im kompletten vergangenen Winter (8).

63,63 Prozent: Noch deutlich höher ist Odermatts Podestquote. 14 Mal fährt er in dieser Saison in die Top 3. Er hat damit doppelt so viele Podestplätze vorzuweisen wie die in dieser Kategorie auf Platz 2 liegenden Atle Lie McGrath, Pinheiro Braathen und Kristoffersen, die je sieben Mal auf das Treppchen steigen. Die schlechteste Klassierung Odermatts in dieser Saison ist ein 6. Platz im Riesenslalom in Alta Badia. Einmal scheidet er aus.

0,07: Gestatten: Franzoni, Giovanni Franzoni. In Bond-Bösewicht-Manier schnappt der italienische Emporkömmling der Saison Odermatt den langersehnten Sieg in der Hahnenkamm-Abfahrt weg – wie es vor zwei Jahren schon Cyprien Sarrazin getan hat. Nur ist der Hunger von Odermatt auf den Sieg in Kitzbühel noch nie so gross wie heuer. Und noch nie ist er so nahe dran an der goldenen Abfahrts-Gams: 0,07 Sekunden trennen ihn vom Triumph, den er höher gewichtet als eine olympische Medaille. Den 2. Platz beschreibt er nach dem Rennen niedergeschlagen als «Niederlage», am Tag danach entschuldigt er sich via Social Media für seine Aussagen und seine Emotionen, er fühle sich «ein bisschen schlecht» deswegen.

Auch wenn die Zahlen etwas anderes suggerieren könnten: Odermatt ist und bleibt ein bodenständiger Mensch, der trotz grösster Erfolge und Höhenflügel nicht abhebt, sondern am Boden bleibt. Ein Teamplayer, der sich in der Gruppe am wohlsten fühlt und in dessen Windschatten seine Kollegen rasant aufschlossen, ihn an gewissen Tagen gar überholten. Auf die Dauer einer Saison aber bleibt Odermatt das Mass aller Dinge. Nun schon zum fünften Mal in Serie.