Slalom-Silber für Rast hinter überlegener Shiffrin
Sport
18. Februar 2026

Slalom-Silber für Rast hinter überlegener Shiffrin

Camille Rast erlöst das alpine Schweizer Frauen-Team bei letzter Gelegenheit. Die Walliserin gewinnt in dem von der Amerikanerin Mikaela Shiffrin klar dominierten Slalom die Silbermedaille.

Sie hatte keine Gelegenheit ausgelassen, um über den Slalom-Hang in Cortina kritische Voten zu deponieren. Am mehrheitlich flachen Gelände hatte Camille Rast kein gutes Haar gelassen. Sie hatte ihm die olympische Tauglichkeit abgesprochen, die Aufgabe als Rennen auf einer «Juniorenpiste» bezeichnet.

Gleichwohl hatte die Weltmeisterin das richtige Rezept parat, um erstmals auch unter den fünf Ringen Edelmetall zu gewinnen. In der Entscheidung machte sie zwei Plätze gut und verhinderte, dass die Schweizer Alpinen auf Frauenseite bei Olympischen Spielen erstmals seit 16 Jahren ohne Medaille blieben.

Die knapp verpasste Bronzemedaille

Wenig fehlte – und die Schweiz hätte im letzten alpinen Wettbewerb dieser Spiele sogar eine zweite Medaille gewonnen. Wendy Holdener verpasste einen weiteren olympischen Podestrang ganz knapp. Die Schwyzerin auf Platz 4 hatte im Kampf um Bronze mit 22 Hundertsteln Rückstand das Nachsehen gegenüber der Schwedin Anna Swenn Larsson.

Mélanie Meillard vermochte sich am Nachmittag rangmässig klar zu steigern. Die seit vielen Jahren im Wallis wohnende Neuenburgerin machte sieben Positionen gut und fand sich im Schlussklassement auf Platz 7 wieder. Eliane Christen, die vierte Fahrerin des Quartetts von Swiss-Ski, schied im zweiten Lauf aus.

Ein bitteres Ende nahm der Slalom nicht nur für Wendy Holdener, sondern auch, und dies in noch deutlicherer Form, für Lena Dürr. Die Deutsche war am Morgen die Zweitbeste gewesen, fädelte im zweiten Durchgang aber beim ersten Tor ein.

Die vertriebenen Geister

Auch Mikaela Shiffrin hätte im Vorfeld allen Grund gehabt zu hadern, zumal die olympischen Geister ihr zuletzt so gar nicht gut gesinnt waren. Die Geschehnisse vor vier Jahren an den Spielen in Peking, als sie auf den Pisten in Yanqing sozusagen kaum einen Ski vor den anderen brachte und nach sechs Auftritten mit leeren Händen dastand, waren wieder präsent. Es war eine Misere, die aus der Amerikanerin ein Häufchen Elend machte, sie zur grossen Verliererin werden liess.

Diese Misere setzte sich in den letzten Tagen in Cortina fort. Platz 11 gabs im Riesenslalom, Rang 4 in der Team-Kombination. Gerade diese letztere Klassierung im Wettkampf im Verbund mit Breezy Johnson warf neue Fragen auf. Mikaela Shiffrin enttäuschte mit ihrer Slalom-Fahrt vollends. Am Ende fand sie sich in dieser Rangliste auf Platz 15 wieder. Aus der vermeintlichen Pflichtaufgabe, nach der optimalen Vorgabe ihrer Landsfrau in der Abfahrt den Sieg unter Dach und Fach zu bringen, wurde die nächste Schmach – auf dem Hang, auf dem sie den eigentlichen Slalom noch vor sich hatte.

Der olympische Fluch schien Mikaela Shiffrin auch in ihrer Domäne weiter zu verfolgen. Wieder sah sich die Amerikanerin in eine Ausgangslage manövriert, die sie im Weltcup-Alltag kaum kennt. Wieder war von ihr nicht nur das grosse Können im Stangenwald, sondern auch mentale Stärke gefragt. Die Vorbereitung auf ihren dritten und letzten Einsatz an diesen Spielen hatte auch die Verdrängung böser Gedanken und schlimmer Erinnerungen zum Inhalt.

Mikaela Shiffrin fand die Lösungen – und Antworten auf Fragen, die sie sich mit Bestimmtheit selber auch gestellt hatte. Sie fuhr an diesem Mittwoch wieder so, als hätte es diese übergrossen Schatten, die die fünf Ringe auf sie geworfen hatten, nie gegeben. Sie fuhr wieder so, wie sie es seit Jahren im Weltcup von wenigen Ausnahmen abgesehen tat. Sie trat wieder so auf, wie sie es im Besonderen in diesem Winter tat bei ihren sieben Siegen in acht Weltcup-Slaloms.

Der deutliche Vorsprung

Mikaela Shiffrin sorgte bereits mit ihrer ersten Fahrt für klare Verhältnisse. Um 82 Hundertstel und mehr distanzierte sie ihre Konkurrenz und legte derart den Grundstein zum überlegenen Triumph. Im Schlussklassement wies sie anderthalb Sekunden Vorsprung auf Camille Rast aus.

Die beste Alpine der Geschichte war zum zweiten Mal nach ihrem Triumph vor zwölf Jahren Olympiasiegerin im Slalom, zum dritten Mal insgesamt. Vor acht Jahren hatte sie sich auch Riesenslalom-Gold umhängen lassen.