Olympiarennen auf der Juniorenpiste
Sport
15. Februar 2026

Olympiarennen auf der Juniorenpiste

Camille Rast, die zweitbeste Riesenslalom-Fahrerin dieser Saison, kann die Bilanz der Schweizer Frauen in Cortina nicht aufbessern. Nach dem 12. Platz findet sie harsche Worte für die Olympiapiste.

Das Lachen von Camille Rast ist am Ende einer Reihe von Interviews gequält. Irgendwann fällt der Satz: «Ich schaue nach vorne, die Spiele sind bald vorbei. Ich freue mich wieder auf den Weltcup.» Hoppla. Aber da ist ja noch der Olympia-Slalom vom kommenden Mittwoch?

«Ja, auf einer Juniorenstrecke mit 44 Sekunden», entgegnet Rast, und das Lachen wird noch etwas gequälter. Ihre Begeisterung für die Olympiapiste in Cortina hält sich in Grenzen. «Es ist schon schade, gleich da drüben gibt es einen super Slalomhang», sagt sie. «Das ist für uns leider ein bisschen schade.» Weil aber die Zeiten des Gigantismus auch bei Olympia vorbei sein sollen, gibt es nur ein Zielstadion, und die Techniker müssen wohl oder übel mit dem unteren Teil der Speedstrecke, der nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist, vorlieb nehmen.

Zwei Fehler sind zwei zu viel

So resultierte für Rast auf der Olimpia delle Tofane das zweitschlechteste Resultat der Saison nach dem Auftakt in Sölden. Bei den letzten sieben Riesenslaloms war die 26-jährige Walliserin nie schlechter als Fünfte, nun war es ein enttäuschender 12. Platz. In einem – hinter der überlegenen Siegerin Federica Brignone – äusserst engen Rennen fehlten Rast jedoch nur 37 Hundertstel zum Podest.

Die Slalom-Weltmeisterin des letzten Jahres wusste auch genau, wo sie die entscheidende Zeit verloren hatte. «In beiden Läufen habe ich eine Kurve nicht richtig erwischt und die Geschwindigkeit nicht mitgenommen», analysierte sie. «Dafür bezahle ich teuer. Auf so einem einfachen Schnee, auf einer einfachen Piste und mit einer einfachen Kurssetzung muss man ganz genau auf den Punkt kommen.» Im Weltcup würden sie in der Regel auf viel anspruchsvollerem Gelände und stärker drehenden Kursen fahren.

Auch andere Mitfavoritinnen hatten ihre Mühe. Die Weltcup-Dominatorin Julia Scheib (vier Siege, zwei 2. Plätze) verpasste als Fünfte eine Medaille um sieben Hundertstel, die zweifache Saisonsiegerin Alice Robinson als Achte um deren 18, Mikaela Shiffrin klassierte sich als Elfte direkt vor Rast. Federica Brignone widerlegte allerdings die These von der zu einfachen Piste, auf der es kaum möglich war, den Unterschied zu machen, ebenso wie Sara Hector, die ihrem Olympiasieg von Peking nun Silber folgen liess.

Der Wert einer Olympiamedaille

Rast zeigt sich am Ende einigermassen fatalistisch. Dass sie bei Grossanlässen durchaus brillieren kann, zeigte sie im letzten Jahr in Saalbach im Slalom. Und vor dem Start in Cortina hatte sie herausgestrichen, dass es Olympische «Spiele» heisse, man solle das ganze also als Spiel ansehen. So recht Begeisterung ist nun aber nicht aufgekommen.

«Die Frage ist, wie viel wert so eine Olympiamedaille hat», sinniert sie. «Die Konstanz über eine ganze Saison und die Schwierigkeit von jedem Rennen finde ich schon etwas anderes.» Die Laune wolle sie sich aber nicht verderben lassen. «Es ist immer schön, eine Medaille zu haben, aber die Weltcupsaison ist bis jetzt so gut gelaufen, und ich hoffe, ich kann in den nächsten Rennen noch gute Sachen zeigen.»

Den Olympia-Slalom meint sie damit wohl eher nicht, aber mit ihrer Klasse ist ihr eine Medaille trotz einfacher Strecke allemal zuzutrauen.