Schweizer Forscher entdecken unordentliches Planetensystem
Ein Gesteinsplanet an der «falschen» Stelle: Forschende haben mit dem Weltraumteleskop Cheops einen Planeten entdeckt, der gängigen Theorien zufolge nicht da sein dürfte, wo er ist. Der Fund zwingt die Forschung, die Entstehung von Planetensystemen neu zu denken.
Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass Planetensysteme einer klaren Architektur folgen, wie die Universität Bern in einer Mitteilung vom Donnerstag erklärte. Nahe am Zentralstern kreisen die kleineren Gesteinsplaneten, weiter aussen die grossen Gasriesen.
Das Planetensystem um einen Stern namens LHS 1903, der 116 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, folgt dieser Ordnung aber offenbar nicht. Mit dem Weltraumteleskop Cheops entdeckte das internationale Forschungsteam, dem auch Forscherinnen und Forscher der Universitäten Bern und Genf angehören, einen Gesteinsplaneten an einer Stelle, an der gemäss den gängigen Theorien eigentlich ein Gasriese hätte entstehen müssen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlicht.
Neue Theorie war notwendig
Um diese Anomalie zu erklären, prüften die Forschenden zunächst verschiedene Hypothesen, die auch mit den gängigen Theorien in Einklang gebracht werden könnten. Sie erwogen etwa eine Kollision, die dem Planeten seine Gashülle entrissen haben könnte, oder eine nachträgliche Veränderung der Umlaufbahnen. Keine dieser Erklärungen war jedoch schlüssig.
Stattdessen schlägt das Team eine neue Theorie vor. Demnach sind die Planeten des Systems nicht gleichzeitig, sondern nacheinander entstanden. Gängigen Theorien zur Entstehung von Planeten gehen davon aus, dass Planeten in einem Planetensystem immer gleichzeitig entstehen.
Vielfalt im All
Der neuen Theorie zufolge, bildeten sich die Planeten um den Stern LHS 1903 von innen nach aussen. Die beiden Gasriesen im Innern des Systems entstanden demnach, als die protoplanetare Scheibe noch reich an Gas war. Der äussere Gesteinsplanet entstand viel später. Zu diesem Zeitpunkt war das Gas in der Scheibe bereits verschwunden, sodass er keine massive Gashülle mehr ansammeln konnte und als Gesteinsplanet zurückblieb.
Die Entdeckung reiht sich laut der Universität Bern in eine wachsende Zahl von Beobachtungen «seltsamer» Planetensysteme ein, die etablierte Theorien herausfordern. Laut den Forschenden zeigt dies, dass unser Sonnensystem kein universelles Modell darstellt und die Vielfalt der Planetensysteme grösser ist als angenommen.
