Die Slopestyle-Königin schreibt Schweizer Olympia-Geschichte
Sport
9. Februar 2026

Die Slopestyle-Königin schreibt Schweizer Olympia-Geschichte

Wieder Gold! Mathilde Gremaud bleibt die Slopestyle-Königin im Ski Freestyle. Vier Jahre nach ihrem Olympiasieg in Peking beweist die zweifache Weltmeisterin in Livigno einmal mehr Nervenstärke.

Wenn es darauf ankommt, Leistung abzurufen, ist Mathilde Gremaud bereit. Auch an ihren dritten Olympischen Winterspielen springt die Freestyle-Athletin auf das Podest. Damit gelingt ihr Historisches: Sie ist die erste Schweizer Frau, die an drei verschiedenen Winterspielen eine Medaille gewinnt.

Als Beste der Qualifikation hielt Gremaud im Final der besten zwölf dem Druck stand und verwies dank eines herausragenden zweiten Laufs wie 2022 die für China startende Sinoamerikanerin Eileen Gu knapp auf Platz 2. Am Ende gaben 0,38 Punkte den Ausschlag zugunsten der Westschweizerin; vor vier Jahren in Peking waren es 0,33 gewesen. Bronze ging an die Kanadierin Megan Oldham.

Plan umgesetzt

Damit fügte Mathilde Gremaud ihrer beeindruckenden olympischen Sammlung eine vierte Medaille hinzu. Bereits 2018 hatte sie im Slopestyle Olympia-Silber gewonnen, 2022 in Peking holte sie zudem Silber im Big Air. Wie so oft zeigte sich die Athletin aus La Roche auch diesmal nervenstark.

Knapp ein Jahr nach der erfolgreichen Titelverteidigung an der Heim-WM im Engadin ging Gremaud mit einem klaren Plan in den Wettkampf – und setzte ihn um. Einen Tag nach ihrem 26. Geburtstag legte sie mit einem soliden ersten Lauf (83,60 Punkte) die Basis. Diese Sicherheit erlaubte es ihr, im zweiten Durchgang voll zu riskieren. Mit 86,96 Punkten übernahm sie die Führung vor Eileen Gu, die zuvor 86,58 Punkte erzielt hatte.

Und Gremauds Rivalin gelang es nicht mehr, den Spiess nochmals umzudrehen. Die Olympiasiegerin von 2022 im Big Air und der Halfpipe 2022 stürzte bei ihrem dritten und letzten Versuch und musste den Traum vom noch fehlenden Olympia-Gold im Slopestyle begraben.

Ein Geschenk an Familie und Fans

Für Gremaud geriet der finale Lauf unweit der Schweizer Grenze zur Triumphfahrt. Siegesgewiss zeigte sie mit der Schweizer Fahne um den Hals über die Rails und Kicker nochmals eine kleine Show und liess sich im Ziel vor den Augen ihrer Familie und Freunden vom Publikum feiern.

«Es ist ein unglaublicher Tag, ich kann es gar nicht beschreiben. Es ist zu schön, und es sind so viele Leute hier – die ganze Familie, so viele vom Skiklub aus meinem Dorf. Es ist ‚krank‘, dass ich das geschafft habe mit all diesen Menschen hier», sagte Gremaud im Interview mit SRF. «Die Leute waren so eine grosse Motivation. Sie haben mir ein grosses Geschenk gemacht, indem sie einfach nur hier waren. Und es macht mir so Freude, dass ich dieses Geschenk zurückgeben konnte. Es ist einfach nur ‚crazy‘.»

Eine zusätzliche Note erhielt Gremauds neuerlicher Olympiasieg durch die Ereignisse im Vorfeld, als der Zürcher Trainer Misra Noto seine Zusammenarbeit mit Gremaud beendete und sich kurz vor den Spielen – wie schon 2022 – Eileen Gu anschloss. Gremaud, die vom neuerlichen Absprung des Privattrainers «eiskalt erwischt» wurde, sprach nach dem Déjà-vu von Überraschung, nicht von Rache, und lieferte die sportliche Antwort auf der Piste.

Tannos Durchhaltewillen mit Diplom belohnt

Einen starken Auftritt zeigte auch Giulia Tanno, die als Sechste das Podest um weniger als vier Punkte verpasste. Nachdem die 27-jährige Bündnerin die letzten beiden Olympischen Spiele verletzungsbedingt verpasst hatte, dürfte sich das gewonnene Diplom dennoch wie ein kleiner Triumph anfühlen.