Franjo von Allmen bleibt im Trubel gelassen
Mit 23 Weltmeister, mit 24 Olympiasieger: Franjo von Allmen lässt einmal mehr alle staunen. Dabei bleibt der Berner Oberländer auch im Erfolg bodenständig.
Einmal Olympiasieger werden? Für viele ist das ein Bubentraum – nicht aber für Franjo von Allmen. «Ich hatte immer einfach nur Freude am Skifahren», sagte der 24-Jährige mit Blick auf seine Jugend. Auch die Skirennen im TV verfolgte er als Kind nur sporadisch, viel lieber war er selbst aktiv. «Solche Träume von Titeln sind erst mit den Jahren und der investierten Arbeit entstanden», erklärte er zwei Tage vor dem bisher grössten Sieg seiner Karriere.
Dann kam dieser Tag in Bormio und auf einmal ist von Allmen nicht nur Weltmeister, sondern auch Olympiasieger. Wie fast ein Jahr zuvor an der WM in Saalbach lieferte er am Tag X ab. «Im Moment ist es noch seltsam, es fühlt sich an wie in einem Film», sagte er nach der Medaillenzeremonie im Zielraum. «Ich habe noch nicht wirklich begriffen, was das für mich bedeutet.»
Verbundenheit mit Franzoni
Er habe praktisch überall die Linie wie gewünscht getroffen und stets den Speed mitnehmen können, analysierte Von Allmen und fügte trocken an: «Viel auszusetzen gibt es nicht, denke ich.» Danach kam der für ihn unangenehmste Teil: das Warten. Mit Startnummer 8 wusste er, dass noch einige Topfahrer oben standen. Besonders nervös war er bei Giovanni Franzoni, der ihm sehr nahekam, am Ende aber zwei Zehntel zurücklag.
Für die beiden Athleten mit Jahrgang 2001 muss es wie ein Déjà-vu mit umgekehrtem Ausgang gewesen sein: Vier Jahre zuvor hatten sie an der Junioren-WM in Kanada um Abfahrtsgold gekämpft. Damals siegte Franzoni mit 24 Hundertstel Vorsprung, Von Allmen musste sich mit Silber begnügen. Nun stehen die beiden auch bei der Elite ganz oben. Von Allmen schon etwas länger, Franzoni hat in diesem Winter richtig zu den Topfahrern aufgeschlossen.
Auf die Frage, was er Von Allmen im Ziel gesagt habe, antwortete Franzoni: «Ich habe ihm gesagt, wie schön ich es finde, wieder mit ihm auf dem Podium zu stehen.» Das hatte es im Weltcup bereits beim Super-G in Wengen gegeben, als der Italiener gewann und der Schweizer Dritter wurde. «Franjo ist eine Inspiration für mich», sagte Franzoni. «Denn er fährt die Pisten immer mit einem Lächeln und scheinbar ohne Druck hinunter.»
Das richtige Risiko finden
Diese Unbeschwertheit ist einer der grossen Trümpfe von Franjo von Allmen. Gleichzeitig hat sie auch schon dazu geführt, dass er zu viel Risiko nahm und in dieser Saison entweder wie in Beaver Creek und Gröden ausfiel oder wie in Wengen und Kitzbühel eine bessere Klassierung verpasste. Vor allem nach der Abfahrt auf der Streif ärgerte er sich, dass er denselben Fehler «nun schon vier- oder fünfmal» gemacht habe.
Dabei hatte sich von Allmen in der Vorbereitung auf die aktuelle Saison eigentlich vorgenommen, konstanter zu fahren und sich in bestimmten Passagen auch einmal etwas zurückzunehmen. «Ich versuche, im Rennen ruhiger und stabiler zu fahren, weniger Risiko zu nehmen und trotzdem schnell zu sein», sagte er noch vor dem Weltcup in Wengen. «Es klappt nicht immer, aber ich hoffe, dass es mit noch mehr Kilometern besser wird.»
In Bormio erlebte er im letzten Training eine Schrecksekunde, am Renntag fand er dann aber die perfekte Mischung. Dass er eine Woche zuvor die Olympia-Hauptprobe in Crans-Montana gewonnen hatte, gab ihm zusätzliches Selbstvertrauen.
Die Lehre gab ihm Halt
Dass seine Karriere einst am seidenen Faden hing, ist in der Schweiz inzwischen bekannt. An der internationalen Medienkonferenz wurde Von Allmen dennoch auf den frühen Tod seines Vaters angesprochen. Und darauf, dass der damals 17-Jährige auf öffentliche Spenden angewiesen war, um seine Laufbahn fortzuführen. Darüber wolle er medial nun nicht mehr sprechen, sagte er höflich, aber bestimmt. «Es war eine schwere Zeit für mich, aber sie liegt zurück, und ich will nach vorne schauen.»
Viel lieber sprach er über seine Ausbildung zum Zimmermann und darüber, wie sie ihn geprägt habe. «Mir war es wichtig, ein Backup zu haben, falls es im Sport nicht funktioniert oder mich eine Verletzung ausgebremst hätte», erklärte von Allmen. «Manchmal würde ich gerne wieder hingehen, die alten Kollegen treffen, ein bisschen quatschen – und natürlich arbeiten.»
Dass dem Boltiger dieser Gedanke ausgerechnet bei seinem grössten Erfolg kommt, überrascht nicht. Denn den Rummel um seine Person mag Von Allmen nicht wirklich. Eigentlich will er ja einfach nur mit Freude Ski fahren.
