Nadine Fähndrich kann zwei Trumpfkarten spielen
Sport
29. January 2026

Nadine Fähndrich kann zwei Trumpfkarten spielen

Der Auftritt im Goms wirkt nach. Nadine Fähndrich ist die höchste Schweizer Trumpfkarte im nordischen Bereich an den Olympischen Winterspielen.

Platz 3 im Sprint bei der Olympia-Hauptprobe am Weltcup-Wochenende im Wallis und eine Top-Ten-Klassierung im Massenstart über 20 km waren mehr als nur ein Podest und eine starke Klassierung. Sie sind ein stilles Statement ohne Worte. Die Form stimmt, das Selbstvertrauen ist da und die Richtung passt.

Wenn Nadine Fähndrich in diesen Wochen dann doch über die Olympischen Spiele spricht, tut sie das mit Ruhe und Klarheit, getragen vom Glauben an ihre Fähigkeiten. Sie weiss, dass sie Grosses leisten kann. So wie vor einem Jahr an der WM 2025 in Trondheim, von der sie mit zwei Bronzemedaillen im Sprint und Team-Sprint zurückkehrte.

Die 30-Jährige präsentierte sich zuletzt im Wallis nicht nur als Podestläuferin, sondern als aktive Gestalterin der Rennen. «Durch meine Erfahrung kann ich mit den verschiedenen Rennsituationen inzwischen gut umgehen», sagt sie angesprochen darauf, welche Fortschritte sie als Routinière noch macht. Ihr drittes Podest in dieser Saison allein war wichtig, fast entscheidender war jedoch die Art und Weise, wie sie es erreichte: mit Übersicht, Tempo und taktischer Reife.

Die Zusammenarbeit mit Trainer Ivan Hudac, den sie seit zwei Wintern ausserhalb der Strukturen von Swiss-Ski als Privattrainer engagiert, trägt Früchte. «In der klassischen Technik habe ich nochmals einen Schritt nach vorne gemacht», betont die Luzernerin. Der Laufstil in den Anstiegen hat sich verfeinert, die Kraftübertragung ist effizienter geworden. Und mit ihren kräftigen Doppelstock-Stössen kann sie es gegen jede Gegnerin aufnehmen.

Für den Olympia-Sprint, der in der klassischen Technik, also im Diagonalschritt, gelaufen wird, gilt es, am letzten Aufstieg dran zu bleiben. Das haben die Testrennen im Val di Fiemme im Rahmen der Tour de Ski gezeigt, obwohl in der Abfahrt zur Zielgeraden mit gutem Material der Anschluss noch geschafft werden kann. «Wir haben in den letzten Wochen hart an diesem Detail gearbeitet und Intervall-Trainings von 40 bis 50 Sekunden in Anstiegen gemacht», erzählt die Zentralschweizerin. Diese Sequenzen entsprechen exakt jenen Belastungen, die im Final zu erwarten sind. Dort, wo das Feld auseinandergezogen wird, will Fähndrich präsent sein.

Denn taktische Spielchen erwartet Nadine Fähndrich im Olympia-Sprint kaum. Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass der Final nicht mit Abtasten entschieden wird, sondern mit «Achtung, fertig, los», wie es die Sportlerin formuliert. Sie erwartet ein kompromissloses Tempo von Beginn weg.

Zwei ebenbürtige Chancen

Neben dem Einzelsprint rückt auch der Team-Sprint in der Skating-Technik in den Fokus. Dort bildet Nadine Fähndrich mit Anja Weber, ihrer Partnerin beim Gewinn der WM-Bronzemedaille in Trondheim 2025, ein eingespieltes Duo. Die Zürcher Triathletin machte in dieser Saison nochmals Fortschritte, lief regelmässig in die K.o.-Runden und überzeugte zuletzt auch über die Distanz. In ihr hat Nadine Fähndrich eine starke Partnerin wie einst mit Laurien van der Graaff, mit der sie 2021 WM-Silber gewann. «Ich stufe die Chance auf eine Medaille in beiden Sprints als gleich gross ein», urteilt Fähndrich.

Das Olympia-Programm dürfte für die Luzernerin breit ausfallen. Zwischen Sprint und Team-Sprint ist auch ein Einsatz in der Staffel vorgesehen. Zudem ist ein Start über 10 km mit Einzelstart nicht ausgeschlossen. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Sportlerin ihrer Form vertraut.

Die Ausgangslage vor den Olympischen Spielen ist damit klar: Nadine Fähndrich reist nicht als Aussenseiterin, sondern als gefestigte Athletin mit realistischen Medaillenchancen nach Norditalien. Als grösste Medaillenhoffnung aus der Nordisch-Fraktion von Swiss-Ski, die an den diesjährigen Winterspielen Langlauf, Skispringen und Biathlon umfasst.