‘Ndrangheta-Mitglied in Wetzikon ZH festgenommen
Ein flüchtiger Mafioso ist im Kanton Zürich der Polizei ins Netz gegangen. Die Kantonspolizei Zürich fasste das mutmassliche Mitglied der Mafia-Organisation 'Ndrangheta am Freitag in Wetzikon ZH, wie sie auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekanntgab.
Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos wartet der Mann nun in einem Schweizer Gefängnis auf eine Auslieferung an Italien. Die ‘Ndrangheta stammt ursprünglich aus Kalabrien.
Der Gesuchte war demnach bereits im Januar 2022 durch einen Haftbefehl der Staatsanwaltschaft von Catanzaro (I) wegen seiner Rolle in einer kriminellen Mafia-Vereinigung gesucht worden. Im Mai 2022 war er zudem in einer weiteren Operation, «Kleopatra», wegen des Verdachts auf internationalen Drogenhandel in den Fokus geraten.
Die Zürcher Kantonspolizei verhaftete den Mann demnach in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) und auf einen Hinweis italienischer Ermittler hin. Sie nahm den Verdächtigen laut Adnkronos in einem Wohnhaus in Wetzikon fest. Zuvor hatten die Behörden den Mann durch technische Ermittlungen, Überwachungsmassnahmen und grenzüberschreitende Observationen lokalisiert.
Mafia in der Schweiz verbreitet
Beim nun gefassten Mafioso dürfte es sich nicht um einen Einzelfall handeln. In der Schweiz seien diverse kriminelle Organisationen aktiv, hiess es von Fedpol auf Anfrage von Keystone-SDA. Europol hat die Zahl der in Europa aktiven kriminellen Organisationen demnach auf mehr als 800 geschätzt. «Von offen ausgetragener Gewalt wurde die Schweiz zwar bisher weitgehend verschont. Es existiert jedoch eine enge Vernetzung der organisierten Kriminalität in der Schweiz mit zum Teil äusserst gewaltbereiten Strukturen», so das Fedpol.
Kerngeschäft der organisierten Kriminalität in der Schweiz ist demnach der Drogenhandel. Ein Netz von teilweise hierzulande angesiedelten Untergrundbankensystemen, mit denen bargeldlos auf der ganzen Welt Zahlungen gemacht und Drogenlieferungen gekauft werden können, stellt dem Fedpol zufolge das Rückgrat des internationalen Grosshandels von Drogen dar.
Drogen, Geldspiel und Menschenhandel
Das Spektrum der organisierten Kriminalität in der Schweiz reiche von im Kern verwandtschaftlich aufgebauten italienischen Mafia-Gruppen, über Gruppen aus dem Balkan, die Teile des hiesigen Drogenmarktes beherrschten, bis hin zu türkeistämmigen Gruppierungen, die insbesondere im Markt des illegalen Geldspiels dominant auftreten, sowie Strukturen aus Asien, die vor allem mit Menschenhandel tätig sind.
Hinzu kommen laut dem Fedpol westafrikanische oder karibische Gruppierungen im Drogen- und Menschenhandel, Gruppen aus Frankreich oder Diebesbanden aus Rumänien. Auch von neu entstandenen Phänomenen wie der sogenannten «Mocro-Maffia» aus den Niederlanden und Belgien, die Kokain liefern und Geldautomaten sprengen, ist die Schweiz demnach betroffen.
Auch hierzulande entstehen laut dem Fedpol vermehrt kriminelle Gruppierungen, die sich nicht in erster Linie über Familie oder Ethnie, sondern über Freizeitbeschäftigung und Lebensstil definieren.
Erst im Dezember hat der Bundesrat deshalb eine neue Strategie für den Kampf gegen organisierte Kriminalität gutgeheissen.
