Irans Exil-Opposition: Der Sohn des Schahs und die Proteste
Politik
13. Januar 2026

Irans Exil-Opposition: Der Sohn des Schahs und die Proteste

Teheran - «Das ist der letzte Kampf, Pahlavi kehrt zurück.» Der Slogan hallt durch die Strassen iranischer Städte – gerufen von Demonstranten, die das Ende der Islamischen Republik fordern.

Gemeint ist Reza Pahlavi, Sohn des gestürzten Schahs, der aus dem US-Exil eine Führungsrolle für sich beansprucht. Doch wie viel Einfluss hat der Mann, der für manche Hoffnungsträger ist – und für andere Teil der Vergangenheit?

Mehrere grosse Protestwellen haben den Iran in den vergangenen Jahrzehnten erschüttert – jedes Mal ein Belastungstest für die autoritäre Führung der Islamischen Republik. Auch die Gesellschaft hat sich dabei gewandelt: 2009 gingen Millionen auf die Strasse, nachdem Vorwürfe der Wahlfälschung laut wurden. Damals glaubten viele noch an Reformen von innen.

Pahlavi beansprucht Führungsrolle

Anders als damals richten sich die heutigen Aufstände – wie schon die Frauenproteste vor drei Jahren – gegen das gesamte System, in dem Religionsführer Ali Chamenei die oberste Autorität hat. Auslöser der jüngsten Demonstrationen war die Wirtschaftskrise, doch schnell wurden die Proteste politisch. Die Bewegung wird vor allem von jungen Menschen getragen: dezentral, dynamisch und ohne erkennbare Führung.

In dieses Vakuum versucht Reza Pahlavi zu stossen. Der Sohn des im Zuge der Islamischen Revolution gestürzten und 1979 geflohenen Schahs ruft aus dem Exil zu Massenprotesten und Streiks auf. Überraschend viele Menschen folgen seinen Appellen. Doch die Opposition im Ausland, zu der Millionen Iranerinnen und Iraner zählen, bleibt tief gespalten.

Millionenpublikum in den sozialen Medien

Reza Pahlavi wurde 1960 in Teheran geboren und schon früh zum Kronprinzen ernannt. Ende 1978, kurz vor dem Sturz der Monarchie, verliess er das Land und begann eine Pilotenausbildung in den USA. Damals waren die Beziehungen zwischen Washington und Teheran noch eng – der Schah galt als wichtiger Verbündeter der USA in der Region.

Nach Jahren im politischen Abseits hat Pahlavi zuletzt wieder an Sichtbarkeit gewonnen. In der zersplitterten Exil-Opposition präsentierte er sich als verbindende Figur für eine Übergangsphase, sollte die Islamische Führung im Iran gestürzt werden. Vor allem in sozialen Medien konnte er ein Millionenpublikum aufbauen.

Kritik am Sohn vom Schah aus dem linken Lager

Doch seine Rolle ist umstritten. Kritiker werfen ihm mangelnde Transparenz vor. Besonders linke iranische Oppositionsgruppen lehnen ihn ab – als Erben einer Monarchie, deren Repressionsapparat aus ihrer Sicht den Aufstieg der Ajatollahs 1979 erst möglich gemacht habe. Pahlavi selbst betont, er strebe keine Rückkehr zur alten Ordnung an und distanziert sich von der Politik seines Vaters. Vielmehr wolle er einen Übergang zu einem demokratischen Iran anführen.

Auch in Deutschland ist die Geschichte der Pahlavi-Dynastie eng mit politischem Protest verknüpft. Beim Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi in West-Berlin im Jahr 1967 kam es zu heftigen Demonstrationen. Der Student Benno Ohnesorg wurde am Rande von einem Zivilpolizisten erschossen – ein Ereignis, das bundesweite Empörung auslöste und als Zäsur für die westdeutsche Studentenbewegung gilt.

Pahlavi fordert Hilfe aus Washington – Trump zurückhaltend

Pahlavi hat wiederholt um Unterstützung aus Washington geworben – explizit auch bei Donald Trump. Protestforscher Tareq Sydiq von der Universität Marburg sagt: «Ich glaube, man darf nicht unterschätzen, wie stark auch seine Verbindung in die Trump-Administration ist.» Der US-Präsident selbst reagierte zuletzt allerdings zurückhaltend. Man müsse abwarten, «wer sich durchsetzt».