Der EV Zug empfängt im CHL-Halbfinal den schwedischen Meister
Sport
13. January 2026

Der EV Zug empfängt im CHL-Halbfinal den schwedischen Meister

Der EV Zug ist mit fünf Niederlagen miserabel ins neue Jahr gestartet. Dem Team von Michael Liniger fehlt die Konstanz. Inmitten der Krise versucht man auf europäischer Bühne den Tritt wiederzufinden.

Zum zweiten Mal nach der Saison 2022/23 steht der EV Zug im Halbfinal der Champions Hockey League. Am Dienstag empfangen die Zentralschweizer im Hinspiel den schwedischen Meister Lulea und wollen sich vor dem Rückspiel im hohen Norden eine gute Ausgangslage verschaffen. Sportlich ist das Duell auch ein Aufeinandertreffen zweier Teams, die international überzeugen, in der heimischen Meisterschaft aber weit hinter den eigenen Ansprüchen zurückliegen.

Der Weg in die Runde der letzten vier war für den EVZ alles andere als selbstverständlich. Im Viertelfinal entgingen die Zuger einem Duell mit einem schwedischen Team, was sich im Nachhinein als Glücksfall entpuppte. Zwar hatte das Team von Michael Liniger auch mit Lukko Rauma seine liebe Mühe und musste nach einer 1:3-Niederlage in Finnland mit einem 3:0-Erfolg im Rückspiel reagieren. Doch in den drei anderen Viertelfinal-Duellen setzte sich die schwedische Übermacht eindrücklich durch. Mit Lulea, Brynäs und Frölunda zogen ausschliesslich Teams aus der SHL in den Halbfinal ein.

Während sich Lulea in der SHL nach zuletzt zwei Siegen als Siebter wieder den Top 6 genähert hat, steckt der EVZ in der National League in einer Krise fest. Die Zuger belegen aktuell nur den 8. Rang und haben bereits acht Punkte Rückstand auf einen direkten Playoff-Platz. Der Start ins neue Jahr ist komplett misslungen. In fünf Spielen setzte es fünf Niederlagen ab, bei einem Torverhältnis von 5:19. Besonders die 0:7-Klatsche zum Jahresanfang in Lausanne wirkte nach, auch danach fand das Team den Turnaround nicht.

Konstanz bleibt das grosse Problem

Ein zentrales Problem bleibt die fehlende Konstanz. In dieser Saison ist es dem EVZ in der National League nie gelungen, mehr als zwei Siege aneinanderzureihen. Von Spiel zu Spiel tauchen neue Baustellen auf. Mal stimmt die Defensive nicht, mal fehlt die Durchschlagskraft in der Offensive. Headcoach Michael Liniger spricht offen von einer frustrierenden Situation, weil selten alles gleichzeitig funktioniere. «Es ist sehr frustrierend, dass wir nicht alles zusammenbringen.»

Zuletzt kam erschwerend hinzu, dass ausgerechnet die offensiven Leistungsträger nicht in Fahrt kamen. Dominik Kubalik und Tomas Tatar blieben in den ersten fünf Spielen des Jahres weitgehend wirkungslos und waren nur an einem einzigen Zuger Treffer beteiligt. Zugs Captain Jan Kovar sprach am Samstag nach der fünften Niederlage in Serie (2:3 n.V. gegen die ZSC Lions) von einem mentalen Problem. Das Selbstvertrauen habe gelitten, die Entscheidungen mit dem Puck seien zu langsam. Gleichzeitig stellte der Tscheche klar, dass das Team hinter dem Trainer steht und Verantwortung übernehmen müsse.

Für Michael Liniger ist die Situation besonders herausfordernd. Der 46-Jährige ist erstmals Cheftrainer in der höchsten Schweizer Liga und trat auf diese Saison hin nach zwei Jahren als Assistent die Nachfolge des zweifachen Zuger Meistertrainers Dan Tangnes an. Ausreden lässt Liniger keine gelten: «Wir müssen nicht nach Ausreden suchen, sondern nach Lösungen. Die Situation ist so, wie sie ist. Wir müssen damit klarkommen und Wege finden, damit umzugehen.»

Lichtblick mit hoher Belastung

Da kommt der Halbfinal in der Champions Hockey League fast wie gerufen. Ein anderer Wettbewerb, ein neuer Gegner, eine neue Ausgangslage. International zeigte der EVZ bislang ein deutlich stabileres Gesicht. Mit starken Auftritten sicherten sich die Zuger den Einzug unter die letzten vier Europas. Auch Lulea blickt auf eine erfolgreiche Geschichte im europäischen Klub-Wettbewerb zurück. Das Team aus dem Norden Schwedens gewann 2014/15 (mit dem Schweizer Nationalverteidiger Dean Kukan) die erste Ausgabe nach der Neuauflage und erreichte seither drei weitere Male die Halbfinals.

Der europäische Höhenflug ist für den EVZ jedoch auch eine zusätzliche Belastung. Das Programm ist extrem dicht. Allein im Januar stehen für die Zentralschweizer 15 Spiele an, in dieser Woche sind es wieder vier Partien innert fünf Tagen. Dazu kommen gewichtige Ausfälle wie jener von Routinier Raphael Diaz, dessen Rückkehr nach einer Ende September erlittenen Verletzung am Gleichgewichtsorgan im Kopf weiterhin offen ist, oder Offensivkünstler Lino Martschini, dessen Saison nach einem Kreuzbandriss vorzeitig zu Ende ist. So werden die kommenden Wochen zur physischen und mentalen Bewährungsprobe.

Sportlich bietet sich den Zugern dennoch eine besondere Chance. Sie könnten als dritter Schweizer Klub nach Genève-Servette und den ZSC Lions den Einzug in den Final der Champions Hockey League schaffen. Die Aussicht, wie die siegreichen Genfer (2024) und Zürcher (2025) das Finalspiel vor Heimpublikum auszutragen, ist allerdings nur noch theoretischer Natur. Umso wichtiger wäre es, sich am Dienstag in der eigenen Arena eine Ausgangslage zu erarbeiten, die Hoffnung nährt. In einer Saison voller Widersprüche ist die Champions Hockey League für den EVZ Lichtblick und Belastung zugleich.