«Band of Brothers» wirkt nur wenig nach im Berner Oberland
News
13. Januar 2026

«Band of Brothers» wirkt nur wenig nach im Berner Oberland

Vor 25 Jahren ist ein Teil der letzten Folge der Serie «Band of Brothers» im Berner Oberland gedreht worden - obwohl die Szenen eigentlich im österreichischen Zell am See spielen. Vom damaligen Hollywood-Aufmarsch ist heute kaum mehr etwas zu spüren.

Die Uhrzeit ist vom Unterseener Stadthausplatz aus gerade noch abzulesen, über der Kirchturmspitze allerdings wird es neblig. Bitter kalt ist es ebenfalls an diesem Dezembertag. Es ist nicht der gemütlichste Moment, um vor dem Tourismusmuseum zu stehen und den Blick auf das Dorfzentrum mit einer 25 Jahre alten Filmszene abzugleichen.

Als Simon Margot, pensionierter Lehrer und früherer Gemeindepräsident von Unterseen, im Jahr 2000 mit seiner damaligen Schulklasse an derselben Stelle gestanden und die Dreharbeiten zu «Band of Brothers» beobachtet hatte, war es sonnig und warm. Ein Erinnerungsfoto, das er extra hervorgesucht hat, zeigt die Gruppe mit zusammengekniffenen Augen und in kurzärmligen T-Shirts. Dazu müsse man sich die glühende Aufregung vorstellen, die seine Schülerinnen und Schüler von innen heraus verspürten, weil sie als einzige das Absperrband passieren durften, während alle anderen Neugierigen dahinter bleiben mussten, so Margot.

Österreich im Berner Oberland

Das Interesse war gross, als neben Regielegende Steven Spielberg, Schauspielern wie Damien Lewis, David Schwimmer oder Ron Livingston, einer riesigen Filmcrew und rund 300 Statistinnen und Statisten auch noch 40 Original-Militärfahrzeuge einfuhren. Sogar die Strassenschilder wurden damals ausgetauscht, denn Unterseen sollte in dem Serienausschnitt nicht als Unterseen erkennbar sein, sondern als Zell am See in Österreich.

Nur einer habe sich vom Trubel um «Band of Brothers» nicht beirren lassen. «Der Arzt mit Praxis zum Platz hinaus hat sich am Drehtag geweigert, seine Fensterläden zu schliessen», erzählt Margot. Die Kameraleute hätten also rechts und links an seinen Fenstern vorbeifilmen müssen.

Die Szene, die an dem Tag eingefangen und ab 2001 in der letzten Folge der Miniserie des US-amerikanischen Pay-TV-Senders HBO zu sehen war, spielte im Sommer 1945. Kurz nach der Kapitulation Deutschlands wurden die Fallschirmjäger der US-amerikanischen Easy Company der 101st Airborne in Zell am See (oder eben Unterseen) stationiert, um dort die letzten Wochen des Krieges zu verbringen. Die sommerliche Stimmung wurde mit einer weiteren, am Seeufer gedrehten, Szene unterstrichen. Sie zeigt Major Richard Winters (Damien Lewis), wie er genussvoll ins Wasser springt und ein paar Züge schwimmt.

Orte im Film und in der Realität

Es ist noch nicht lange her, da hat die News-Plattform Watson einen Beitrag über ein aufschlussreiches Video von Christoph Aufgebauer veröffentlicht. Der deutsche Youtuber ist allen Drehorten von «Band of Brothers» im Berner Oberland nachgereist und hat akribisch aufgearbeitet, welchen Szenen welche Plätze zuzuordnen sind. So ist etwa zu erfahren, dass die besagte Schwimmszene nur zur Hälfte in Unterseen, also im Thunersee, und zur anderen Hälfte aus der Perspektive von Giessbach und demnach im Brienzersee gedreht worden ist.

Das Video mit dem Titel «Band of Brothers – Filming Locations in Switzerland» zeigt im Weiteren auf, dass die Besetzung des südbayrischen Berchtesgadens in der Neuengasse in Interlaken, die Ankunft der Kompanie in Österreich in Schwanden und Hofstetten bei Brienz und die Szenen im Hotel in Zell am See im Grandhotel Giessbach gedreht worden sind. Es zeigt auch, dass die Orte heute noch ziemlich genau gleich aussehen – abgesehen vom Stadthausplatz in Unterseen. Da sind die Bäume, unter denen die Einheit im Film ihre Fahrzeuge parkierte, bis auf einen verschwunden. Und anstelle der Militärparade sind auf dem Platz heute Parkplätze aneinander gereiht.

Obwohl das Berner Oberland in «Band of Brothers» als Kulisse für Bayern und Österreich diente, wurde in einem Bericht auf swissinfo.ch vom 3. September 2000 ein möglicher «touristischer Werbeeffekt» für die Region prognostiziert. Heute nachgefragt, scheint in Vergessenheit zu geraten sein, dass die Gegend in der erfolgreichen Millionen-Produktion vorkommt. In den aktuellen Werbemitteln von Interlaken Tourismus finden sich keine Hinweise auf die Serie und es werden auch keine spezifischen Angebote, Drehortbesuche oder geführten Touren angeboten.

Das Grandhotel Giessbach, das schon in einigen internationalen Filmproduktionen zu sehen war, gibt keine internen Betriebsinfos im Zusammenhang mit Dreharbeiten bekannt, wie die Marketingabteilung auf Anfrage mitteilte. Was zumindest darauf schliessen lässt, dass «Band of Brothers» auch da nicht zu Werbezwecken genutzt wird.

Vom Film zum Verein

So hat «Band of Brothers» im Berner Oberland zwar keinen nachhaltigen touristischen Effekt ausgelöst, doch für einen Mann hat die Serie das Leben verändert. Der Konolfinger Andreas Reinhard, immer schon an der Geschichte des Zweiten Weltkriegs interessiert, hat die Serie 2002 gesehen. «Die Bruderschaft, um die es da geht, packte mich», erzählt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Sie hat ihn gar dazu inspiriert, eine Gruppe von Freunden zu einer Reise in die Normandie, einen wichtigen Ort in der Geschichte der Easy Company, einzuladen. Ohne ihnen das Ziel zu verraten, sei er damals mit zehn Männern zu einer mehrtägigen «Abenteuerreise» aufgebrochen.

Die Zeit mit Freunden, die Gespräche, das in der Serie vermittelte Gefühl von Kameradschaft, das so plötzlich auch in seinem Leben entstanden sei, liess Reinhard einen Verein gründen. «Band of Brothers» zählt heute um die dreissig männliche Mitglieder, reist weiterhin regelmässig an historische Kriegsschauplätze und ist inzwischen gar den Nachkommen der echten Easy-Company-Veteranen freundschaftlich verbunden. Der Name «Band of Brothers» sei Programm, sagt Reinhard. «Seit 17 Jahren kreieren wir immer neue Abenteuer, durch die Verbundenheit entsteht.»

Von Tom Hanks und Steven Spielberg

«Band of Brothers» ist eine zehnteilige HBO-Serie aus dem Jahr 2001. Das von Steven Spielberg und Tom Hanks koproduzierte Kriegsdrama erzählt den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der Easy Company, einer realen US-Fallschirmjäger-Einheit.

«Band of Brothers» (dt.: «Band of Brothers – wir waren wie Brüder») war mit Produktionskosten von 125 Millionen Dollar die teuerste Miniserie, die bis dato fürs Fernsehen produziert wurde. Sie wurde unter anderem mit sechs Emmys und einen Golden Globe ausgezeichnet.

Basierend auf dem gleichnamigen Buch des Historikers Stephen Ambrose begleitet sie die Soldaten in den Jahren 1942 bis 1945 von der harten Ausbildung bis zu Einsätzen in der Normandie, in den Ardennen und in Deutschland.

Die Serie versucht, die psychologischen und moralischen Konflikte aus der Sicht einfacher Soldaten zu beleuchten. Dabei haben sich die Macher auch historische Genauigkeit auf die Fahnen geschrieben. Dies äussert sich etwa darin, dass reale Veteranen zu Beginn der jeweiligen Folgen auftreten und auch bei der Produktion einbezogen wurden.

Tom Hanks und Steven Spielberg hatten bereits am Oscar-gekrönten Film «Saving Private Ryan» (1998) zusammengearbeitet, Hanks als Schauspieler in der Hauptrolle und Spielberg als Regisseur.*

*Dieser Text von Miriam Margani wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.