Schweizer Handballer sind bereit für die EM
Sport
12. January 2026

Schweizer Handballer sind bereit für die EM

Dass trotz des Turniersiegs am Yellow Cup bei den Schweizern eine leichte Enttäuschung zu spüren ist, unterstreicht die höheren Ansprüche im Team. Die Mannschaft scheint bereit für die EM.

Sieben Sekunden vor dem Ende gelingt Nordmazedonien der Ausgleich zum 29:29. Die Schweizer spielen rasch an, sie wollen unbedingt noch den Siegtreffer erzielen. Die Enttäuschung ist zu spüren, dass dies nicht gelingt. Dabei genügt das Unentschieden, um zum zehnten Mal den Yellow Cup in Winterthur zu gewinnen. Das spricht für die Einstellung des Teams.

«In den letzten Jahren sind unsere Ansprüche gestiegen», sagt Nationaltrainer Andy Schmid. «Ich habe die höchsten Ansprüche an mich selbst und erwarte dasselbe von den Spielern – und das haben sie. Unsere Entwicklungsschritte werden immer kleiner, darum muss man sich diese hart erarbeiten. Sonst bleiben wir auf dem aktuellen Level stehen.»

Kühler Kopf in der heissen Phase

Dass die Mannschaft weiter ist, unterstreicht das «Finalspiel» gegen Nordmazedonien. Nach einer sehr starken ersten Halbzeit (18:13) passte bei den Schweizern in der zweiten Halbzeit über mehrere Minuten wenig zusammen. Sie gerieten nach einer 25:21-Führung (47.) mit 26:27 in Rückstand (54.) – und die Nordmazedonier wurden von ihren zahlreichen Fans mächtig gepusht.

Doch die Einheimischen behielten einen kühlen Kopf. «Wenn eine Mannschaft so zusammenbricht, ist es normalerweise schwierig, das Spiel noch einmal auf die eigene Seite zu ziehen», erklärt Schmid. «Das zeigt, dass wir viel Qualität haben, aber mir gehen die fünf, sechs Fehler tierisch auf den Sack.»

Der zu den Teamleadern gehörende Lenny Rubin äusserte sich in die gleiche Richtung: «Wir sind sicher frustriert, da wir lange Zeit ganz klar die bessere Mannschaft waren. Wir haben zwar den Yellow Cup gewonnen, aber das Spiel nicht. Wir sind alle hier im Nationalteam, weil wir jede Partie gewinnen wollen. Gegen Gegner wie an diesem Turnier (neben Nordmazedonien trafen die Schweizer auf die Ukraine/38:27 und Bahrain/33:30) müssen wir mittlerweile die Selbstverständlichkeit haben, alle zu bezwingen.» Dabei gilt es zu bemerken, dass die vorangegangenen sieben Partien gegen Nordmazedonien alle verloren gingen.

Viele können für den Unterschied sorgen

Das Unentschieden kam dank einer geschlossenen Teamleistung zustande, ohne dass einer über sich hinauswachsen musste. Auch das unterstreicht die Entwicklung. Mittlerweile sind viele in der Mannschaft fähig, für den Unterschied zu sorgen. «Klar gibt es einen Kern, der grössere Spielanteile erhält», sagt Rubin dazu. Aber sie seien mittlerweile dermassen breit aufgestellt, dass sie ohne einen Qualitätsverlust wechseln könnten, wenn es jemandem weniger gut laufe. Das zeigte sich auch gegen Nordmazedonien, als der erst in der Schlussphase eingewechselte Mehdi Ben Romdhane die letzten drei Tore erzielte.

Beim sehr starken 11. Rang an der letztjährigen WM traf Rubin mit 40 Toren beinahe doppelt so oft wie der zweitbeste Werfer im Schweizer Team, Luka Maros (21 Tore). Wenn diesmal ein anderer brilliert, hätte er nichts dagegen. «Wir sind als Mannschaft richtig zusammengewachsen, jeder kommt sehr gerne. Für mich sind wir zu einer Familie geworden, und ich glaube, es geht vielen anderen auch so wie mir. Deshalb wird noch mehr kommen von uns, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt», sagt Rubin.

Zehnder als wäre er nie weg gewesen

Ein grosses Plus im Vergleich zur WM ist die Rückkehr von Regisseur Manuel Zehnder, der sich im vergangenen Jahr am Yellow Cup unter anderem das Kreuzband im linken Knie gerissen hat. Nun gab er am gleichen Ort das Comeback. Und wie: Im ersten Spiel gegen die Ukraine schoss er acht Treffer. «Das war mein Ziel. Ich sagte: ‘Wenn ich wieder spiele, dann möchte ich voll spielen.’ Ich glaube, das ist ganz gut gelungen», so der 26-Jährige. Schmid sagte zur beeindruckenden Rückkehr: «Wenn es mich bei jemandem nicht überrascht, ist es bei Manuel Zehnder. Dass er so spielt, als wäre er nie weg gewesen, das war bei ihm zu erwarten.»

Die Perspektiven im Hinblick auf die am kommenden Donnerstag beginnende EM sind also vielversprechend. Der erste Gegner der Schweizer sind am Freitag die Färöer. Dann soll es keine enttäuschten Gesichter mehr geben.