Schweigeminute statt Vogellisi
Sport
9. Januar 2026

Schweigeminute statt Vogellisi

Trauerstimmung statt Jubel, Trubel, Heiterkeit - in Adelboden ist an diesem nationalen Tag der Trauer alles anders als sonst. Für die Rennen soll wieder einigermassen Normalität herrschen.

Adelboden am Tag vor dem Weltcup-Wochenende. Der Himmel ist grau, doch eine weisse Decke legt sich über den Skiort und sorgt für eine besinnliche Stimmung. Alle Geräusche sind gedämpft – bis es Punkt 14 Uhr ganz still wird und anschliessend die Glocken der schmucken Dorfkirche zu läuten beginnen und der Schneefall genau dann zu einem Crescendo ansetzt.

Adelboden an diesem Freitag, das ist eben auch und vor allem der Tag der nationalen Trauer. Der Tag des Gedenkens an die Opfer der Brandkatastrophe in der Silversternacht von Crans-Montana. Ein paar Dutzend Menschen haben sich auf dem Kirchplatz versammelt, die TV-Kamera eines italienischen Senders filmt die Szenerie, eine Frau steht da mit Blumen in der Hand und Tränen in den Augen.

40 Kerzen zum Gedenken

Normalerweise wäre es die Ruhe vor dem Sturm. Am Abend vor dem Rennen sollte im Zielgelände die grosse Sause steigen. Bei der Startnummernauslosung, im Athletendorf und Festzelt würde Partystimmung herrschen, das berühmte «Vogellisi» aus allen Lautsprechern zum Tanzen auffordern. Stattdessen: die grosse Stille.

Zunächst sollte das Zielgelände am Freitagabend geschlossen bleiben. Nun öffnet es aber für ein paar Stunden. Die Kapelle im Boden direkt im Festgelände bietet den Rahmen für besinnliche Momente mit pastoraler Unterstützung. Dazu gehören 40 elektrische Kerzen und eine Grossleinwand mit bewegenden Bildern der traurigen Art.

Zwischen Trauer und Normalität

Im Zwiespalt zwischen sportlichem Fokus und Trauer sind auch die Schweizer Skistars gefangen. «Was in Crans-Montana passiert ist, ist sehr tragisch», zeigt sich der vierfache Adelboden-Sieger Marco Odermatt am Donnerstagabend nachdenklich. «Ich bin auch jung und gehe auch gerne mal in einen Club.»

Besonders nahe geht die Tragödie Loïc Meillard und Luca Aerni, dem Neuenburger und dem Berner, die beide seit vielen Jahren im Wallis wohnen. «Man kommt an diesen Bildern ja nicht vorbei», betont Meillard. «Wir haben im Team natürlich viel darüber diskutiert. Das hilft auch dabei, nach vorne zu blicken.»

Ist es einfach, sich ab Samstag wieder voll auf den Sport zu konzentrieren? Meillard wird philosophisch: «Nichts im Leben ist einfach», sagt er. «Aber eines ist sicher: Das Leben muss weitergehen.» So versuchen die Spitzensportler das zu tun, was in ihrer Macht steht. «Ich will mit meinen Leistungen den Leuten etwas geben, damit es ihnen ein bisschen besser geht.» Oder wie es Luca Aerni formuliert: «Vielleicht können wir ja wieder für etwas Freude sorgen.»

Ob die Stimmung an den beiden Renntagen anders sein wird als in den letzten Jahren, wagt keiner vorherzusagen. Der Samstag wird zeigen, ob in Adelboden wieder die berühmte Chuenisbärgli-Feststimmung herrscht. Die Bars und Restaurants im Dorfkern sind am Freitagabend jedenfalls gut gefühlt. Dennoch: Courant normal ist sicher noch weit weg.