Vom Stars der Lakers zum Strategen des Team Canada
Stacy Roest hat in den Schweizer Stadien einige Spuren hinterlassen. Die Rückkehr am Spengler Cup ist allerdings nicht von Erfolg gekrönt.
Es dauert lange, bis Stacy Roest zum Gespräch erscheint. Zuvor ist das Team Canada mit einer 1:5-Niederlage – das 1:3 und 1:4 kassierte es ins leere Tor – im Nachmittagsspiel gegen Sparta Prag aus dem Turnier ausgeschieden. Somit verpassten die Nordamerikaner zum dritten Mal seit der Umstellung auf sechs Teams im Jahr 2010 die Halbfinals. Der 16. und letzte Triumph am Spengler Cup datiert aus dem Jahr 2019.
Roest war als Assistent von General Manager Marc Bergevin an der Zusammenstellung der Mannschaft beteiligt. «Das ist Eishockey, das ist Sport», sagt der 51-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Wir hatten gestern spät eine Partie. Mir gefällt, wie wir gearbeitet haben, es lag nicht am fehlenden Willen. Im zweiten Drittel hatten wir viele gute Chancen. Unser Goalie war gut, ihr Goalie war gut. Es war gutes Eishockey.» Mit dem neuen Format sei es noch schwieriger geworden, das Turnier zu gewinnen. «Du brauchst Glück.»
Schwierig, ein Team zusammenzustellen
Roest mag die spezielle Atmosphäre am und rund um den Event. «Es ist grossartig hier, aber wenn du für Kanada spielst, spielst du für dein Land, bist du stolz darauf, das Trikot anzuziehen», stellt er klar. Roest gibt aber zu, dass es eine grosse, aber «gute» Herausforderung war, das Team zusammenzustellen. Dies auch deshalb, weil die Anzahl der in der National League engagierten Kanadier in den letzten Jahren massiv abgenommen hat – und auch deren Qualität.
Es sei alles andere als so, dass man die Besten anrufen könne und sie kommen würden, so Roest. «Es war ein interessanter Prozess, und ich hätte nicht gedacht, dass es so aufwändig sein würde. Es gab viele Absagen, dauerte drei Monate, bis das Team zusammengestellt war. Ich kann verstehen, dass die Ligen, die während der Feiertage spielen, niemanden abgeben wollen – es ist ein Geschäft.»
Rapperswil-Jona ein besonderer Ort
Roest nahm selber von 2003 bis 2011 sechsmal für das Team Canada am Spengler Cup teil, dreimal fehlte er wegen Verletzungen. Beim ersten Mal gewann er den Pokal. Zu dieser Zeit spielte er bei den Rapperswil-Jona Lakers, denen er neun Saisons die Treue hielt. In den 479 Partien in der höchsten Schweizer Liga erzielte er 149 Tore und 377 Assists – also mehr als einen Punkt pro Spiel. Zuvor hatte er 247 Partien in der NHL bestritten (28/48).
«Ich hatte ein paar Möglichkeiten, zu anderen Vereinen zu wechseln, aber meine Frau und meine Kinder waren dort glücklich. Ich war zufrieden mit meinem Vertrag und meiner Situation, also habe ich immer wieder verlängert», blickt er auf seine Zeit bei Rapperswil-Jona zurück. Zudem habe er die Herausforderung geliebt, der Aussenseiter zu sein. In der Saison 2005/06 erreichte er mit den Lakers den Playoff-Halbfinal, was ein grosser Erfolg war.
2012 beendete er bei den Rapperswilern seine Karriere. Die Stadt am Obersee nimmt auch deshalb einen besonderen Platz in seinem Herzen ein, weil seine beiden Kinder dort auf die Welt kamen. Er ist noch mit einigen in Kontakt, mit denen er in der Schweiz zusammengespielt oder gegen die er gespielt hat. Verfolgt er das Team noch? «Ich schaue alle Ligen.»
Zwei Stanley-Cup-Triumphe mit den Lightning
Das kommt nicht von ungefähr. Denn nach seiner Aktivzeit wechselte er in die Organisation der Tampa Bay Lightning, als Leiter der Spielerentwicklung. Ab 2019 assistierte er dann auch noch den General Manager. Auch beim Farmteam Syracuse Crunch übte er Funktionen aus, zuletzt jene als GM. Allerdings lebte er nie in Tampa, sondern in Kanada in Vernon, das in der Nähe von Vancouver liegt. «Meine Tochter ist 17. Sie ist im letzten Jahr der Highschool. Es ist sehr wichtig für sie, mit ihrer Klasse abzuschliessen. Deshalb sind wir in Vernon geblieben.» Sein Sohn Austin, der 21 Jahre alt ist, besitzt einen Vertrag bei den Nashville Predators, aktuell spielt er in der AHL bei den Milwaukee Admirals.
Stacy Roest gewann mit den Lightning 2020 und 2021 den Stanley Cup. Das Entscheidende sei, immer das grosse Ganze im Blick zu haben, sagt er. Man müsse stets ruhig bleiben, egal ob man fünf Spiele in Folge gewinne oder verliere. Es gilt, einen Plan zu haben, daran zu glauben und ihn konsequent umzusetzen – das tun erfolgreiche Teams.”
Wie hat er Janis Moser erlebt? Der Schweizer Verteidiger hat den Vertrag mit den Lightning gerade erst um acht Jahre bis 2034 verlängert. In diesen acht Jahren kassiert er 54 Millionen Dollar. Er sei ein sehr guter Mensch, der sich stetig verbessern wolle, sagt Roest. «Jene, die nie zufrieden sind – genau solche sind die Schlüsselspieler, mit denen man gewinnen kann.»
Und wie geht es mit ihm weiter, hat er doch nun keine Funktion mehr bei den Lightning. «Ich bekomme weiterhin Lohn von Tampa Bay und dann sehen wir, wie es weitergeht», so Roest. Vielleicht ist er ja im kommenden Jahr wieder in Davos.
