Schweiz hat 60'000 Personen aus der Ukraine Schutzstatus S erteilt

Über 60’000 Menschen aus der Ukraine haben bislang in der Schweiz den Schutzstatus S erhalten. Sie können mindestens ein Jahr in der Schweiz bleiben. Dieser Status wird seit seiner Einführung nach den Jugoslawien-Kriegen in den 1990er Jahren zum ersten Mal angewendet.

Bis Donnerstag gewährte der Bund genau 60’056 Personen diesen Schutzstatus S, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) gleichentags im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Das bedeutet eine Zunahme von 122 gegenüber dem Vortrag. Einen Antrag gestellt haben 62’142 Personen. Das sind 116 mehr als am Vortag.

Der Bundesrat hatte Anfang März beschlossen, den Schutzstatus S für ukrainische Kriegsflüchtlinge zu aktivieren. Er soll eine möglichst rasche und unbürokratische Aufnahme ermöglichen und das normale Asylsystem entlasten. Wer ihn bekommt, kann vorerst ein Jahr in der Schweiz bleiben, arbeiten und zur Schule gehen.

Bei diesem Instrument wird von einem Rückkehr-orientierten Status gesprochen. Es wurde in den 1990er-Jahren geschaffen, aufgrund der Erfahrungen mit den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien, und um eine Überlastung bei den ordentlichen Asylverfahren zu vermeiden. Benutzt hat es der Bundesrat zuvor aber noch nie.

Die meisten in Zürich, Bern und der Waadt

Am meisten Personen aus der Ukraine mit diesem Schutzstatus aufgenommen hat der Kanton Zürich mit fast 11’000 Personen, wie den von der Nachrichtenagentur Keystone-SDA angefragten Unterlagen des SEM entnommen werden kann. Das sind 17 Prozent der rund 60’000 Personen. Es folgen der Kanton Bern (7418 Personen) und der Kanton Waadt (5511).

Das Aufenthaltsrecht von einem Jahr kann so lange verlängert werden, wie die Geflüchteten einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt sind. Sie können ausserdem Familienangehörige nachziehen. Wenn der Bundesrat den vorübergehenden Schutz nach fünf Jahren nicht aufgehoben hat, erhalten die Betroffenen eine Aufenthaltsbewilligung B.

Verhältnismässig viele bereits mit Job

Rund zehn Prozent der Personen mit Schutzstatus S, die im erwerbsfähigen Alter sind (33’645 Personen), gehen einer Arbeit nach. Gemäss SEM dürfte die Zahl aber höher sein, da die Arbeitsbewilligungen mit Verzögerung registriert würden.

Christine Schraner Burgener, Staatssekretärin für Migration, sagte am Donnerstag gegenüber dem Westschweizer Radio RTS, dass die Quote zwar niedrig scheinen möge. Allerdings sei sie höher als üblich: Normalerweise hätten ungefähr fünf Prozent der Asylsuchenden nach sechs Monaten eine Stelle.

Sie wies aber darauf hin, dass es «natürlich wünschenswert» wäre, wenn die Quote höher wäre. Das hätte nicht nur für die Moral der Flüchtlinge, sondern auch für das Schweizer Sozialsystem Vorteile, so Schraner Burgener.

Fast ein Viertel der erwerbstätigen ukrainischen Flüchtlinge (24 Prozent) ist im Hotel- und Gastgewerbe tätig, fast jeder Fünfte (17 Prozent) arbeitet im Bereich «Planung, Beratung, Informatik» und 8 beziehungsweise 7 Prozent sind in der Landwirtschaft und im Bildungswesen tätig.

Ein Drittel mit Status S unter 18 Jahren

Unter den Geflüchteten mit Status S sind ein Drittel Kinder und Jugendlich: fast 17’300 Kinder und Jugendliche sind zwischen 4 und 17 Jahre alt und etwas mehr als 3000 Kleinkinder (bis drei Jahre). Die Einschulung von Kindern mit S-Status liegt in der Verantwortung der zugewiesenen Gemeinde und des zuweisenden Kantons und erfolgt grundsätzlich so schnell wie möglich.

Um die Kantone bei den Herausforderungen zu unterstützen, hat der Bundesrat für Geflüchtete mit Schutzstatus S einen finanziellen Beitrag an die Kantone von maximal 3000 Franken pro Person und pro Jahr beschlossen, der schrittweise ausbezahlt wird.

Abschliessend schreibt das SEM der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass niemand wisse, wie lange der Krieg in der Ukraine dauere und wie er ausgehe. Das SEM orientiere sich an der zweigleisigen Strategie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Diese sieht vor, dass sowohl die Rückkehrfähigkeit erhalten bleibt, gleichzeitig aber auch Perspektiven geschaffen werden, falls diese Menschen länger in der Schweiz bleiben und sich längerfristig integrieren möchten.