Armut im Alter für die meisten dank Sparsamkeit kein Problem

Sparsamkeit galt früher als Schweizer Tugend, doch mittlerweile ist sie unmodern. Den Senioren und Seniorinnen kommt sie aber zugute: Obwohl Leute im Rentenalter öfter arm sind als Erwerbstätige, sind sie glücklicher mit dem wenigen, das sie haben, als die Jungen.

Ausserdem haben sie gelernt, vorzusorgen, wie die neueste Aufstellung des Bundesamts für Statistik (BFS) vom Dienstag zeigt: Gut die Hälfte der über 65-Jährigen lebt in einem Haushalt mit liquiden Mitteln von mehr als 100’000 Franken. Zum Vergleich: Bei den 18- bis 64-Jährigen sind es nur etwas mehr als ein Viertel, die so viel auf der Seite haben.

Dennoch: 15,6 Prozent der Personen im Rentenalter leben in einem Haushalt ohne grössere finanzielle Reserven (maximal 10’000 Franken). 8,7 Prozent können nur mit Mühe für die nötigsten Ausgaben aufkommen und 11,3 Prozent sind nicht in der Lage, eine unvorhergesehene Ausgabe von 2500 Franken zu bewältigen. Senioren und Seniorinnen mit Migrationshintergrund sind dabei signifikant schlechter gestellt als ihre in der Schweiz verwurzelten Altersgenossen.

Junge haben weniger Reserven

Verglichen mit den Jüngeren sind die Alten – abgesehen von den eingewanderten – statistisch gesehen aber besser dran: Von den Personen im Erwerbsalter haben fast doppelt so viele (28,9 Prozent) weniger als 10’000 Franken liquide Mittel auf der Seite. Und trotz besserem Einkommen haben mehr 18- bis 64-Jährige Probleme, finanziell über die Runden zu kommen: nämlich 11,4 Prozent gegenüber 8,7 Prozent der Rentner und Rentnerinnen.

Con den Über-65-Jährigen am prekärsten dran sind – neben den ausländischen Pensionierten – Alleinlebende, besonders solche, die keinen nachobligatorischen Bildungsabschluss haben, sowie Personen, die von der 1. Säule als Haupteinnahmequelle leben.

Fast jeder vierte ältere Single ist arm gegenüber 8,6 Prozent der zu zweit Lebenden. Von denen ohne nachobligatorische Ausbildung fallen 19,1 Prozent unter die Armutsgrenze gegenüber 7,3 Prozent der (Fach)Hochschulabsolventen. Besonders krass ist der Unterschied zwischen 1. und 2. Säule als Haupteinnahmequelle: Während im ersten Fall 23,9 Prozent als arm eingestuft werden müssen, sind es im zweiten nur 0,7 Prozent.

Arm, aber glücklich

Dennoch ist die Bevölkerung im Rentenalter von allen Altersgruppen am häufigsten zufrieden mit der finanziellen Situation ihres Haushaltes: 72,2 Prozent der Personen ab 65 Jahren stufen sich auf einer Skala von 0 (gar nicht zufrieden) bis 10 (vollumfänglich zufrieden) mit 8 oder höher ein. Bei den 18- bis 64-Jährigen ist dies nur bei 53,6 Prozent der Fall.

Personen im Rentenalter schätzen auch die Fähigkeit ihres Haushaltes, für die notwendigsten Ausgaben aufzukommen, deutlich positiver ein. So finden es 61 Prozent der älteren Bevölkerung «einfach» oder «sehr einfach», finanziell über die Runden zu kommen, aber nur 47,8 Prozent der Personen im Erwerbsalter.

Sparen bei Wohnung, Kleider, Telefon, Ferien

Vereinfachend wirkt sich allerdings für Menschen im Ruhestand aus, dass sie häufig weniger fürs Wohnen ausgeben als Junge – sei es, weil sie Wohneigentum besitzen oder schon so lange in einer Wohnung leben, dass die Miete sehr tief ist.

Auch die Ausgaben für die Kategorien «Verkehr», «Gast- und Beherbergungsstätten», «Nachrichtenübermittlung» und «Bekleidung und Schuhe» sind bei den Personen ab 65 Jahren tiefer als in den übrigen Altersklassen.

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