Super League ist, wenn alle gleich stark sind

Die vier Unentschieden in der 4. Runde liefern weitere Indizien dafür, dass die Saison in der Super League sehr ausgeglichen verlaufen könnte. Der Match Luzern gegen St. Gallen (2:2) ist typisch.

Unterdessen sind sagenhafte 94,7 Prozent der bisherigen Spiele in der Super-League-Saison entweder unentschieden oder mit einem Tor Differenz ausgegangen; 18 von 19 Spielen. Es gab acht Remis und zehn knappe Siege. Die Ausnahme bleibt Lausannes 4:0 gegen den FCZ in der 3. Runde. Eine solche Häufung knapper Ergebnisse in den ersten vier Runden gab es in der Zeit der Super League (ab 2003/04) nie.

Die erstaunlichen Zahlen lassen erhoffen, dass diese Meisterschaft trotz reduzierter Zuschauerzahlen in allen Bereichen der Tabelle spannend und attraktiv verlaufen wird. Eventuell wird die Spanne zwischen den Besten und den Schwächsten am Ende klein sein.

In der Arena auf der Luzerner Allmend spielte am Sonntagnachmittag der nur einen Punkt vorweisende Drittletzte gegen den verlustpunktfreien Leader. In der ersten Halbzeit trat diese Differenz wenigstens halbwegs zutage. Die St. Galler spielten mit dem Selbstbewusstsein, das sie aus ihren drei 1:0-Siegen in die Innerschweiz mitgenommen hatten. Wer aber nur die zweite Halbzeit gesehen hätte, hätte denken müssen, Luzern sei der Leader und St. Gallen die nicht überzeugend in die Saison gestartete Mannschaft.

In den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit war die von Jungspunden gebildete Ostschweizer Abwehr noch und noch überfordert. Luzern hätte nach dem 0:1-Rückstand bis etwa zur 65. Minute 3:1 oder 4:1 in Führung gehen können. Aber es hiess 2:2, weil sich Luzerns üblicherweise starker Goalie Marius Müller einen seiner seltenen Schnitzer zuschulden kommen liess.

Luzern bilanziert jetzt zwei knappe Niederlagen in Auswärtsspielen und zwei 2:2-Remis in den Heimspielen. Das erste 2:2, jenes gegen Lausanne-Sport, hat etwas an Wert gewonnen, weil sich die Waadtländer generell als starker Aufsteiger erweisen. Und das 2:2 gegen St. Gallen gibt Luzerns Trainer Fabio Celestini die Gewissheit, dass seine Mannschaft einen starken Gegner dominieren oder sogar an die Wand spielen kann.

Ein anderes Indiz auf eine ausgeglichene Meisterschaft liefern die Young Boys. Der Meister ist nach vier Spielen mit acht Punkten unbesiegt, aber das Toreschiessen fällt den Bernern viel, viel schwerer als etwa in dem Saison 2018/19, als sie 99 Tore erzielten und fast jeden Rekord in der Super League brachen. Derzeit kann eine in der Defensive gut stehende Mannschaft die Young Boys in Verlegenheit bringen. Das haben Sion und Servette mit ihren 0:0 bewiesen, aber auch Aufsteiger Vaduz bei der 0:1-Niederlage in Bern.

Seit dem Wochenende weiss man also: St. Gallen ist zu packen, und die Young Boys kommen relativ mühselig voran. Ob sich Basel nach dem zähen Saisonstart gesteigert hätte, weiss man nicht. Aber alle sieben Gegner der drei Favoriten werden mittlerweile gemerkt haben, dass in dieser Saison der knappen Ergebnisse laufend etwas möglich ist.