Anklage fordert 7,5 Jahre Gefängnis für Hochseilartist Freddy Nock

Das Bezirksgericht Zofingen AG verhandelt am Mittwoch die Anklage gegen den Hochseilartisten Freddy Nock. Der 55-Jährige ist wegen versuchter vorsätzlicher Tötung seiner Ehefrau angeklagt. Die Staatsanwaltschaft will eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren.

Nock muss sich auch verantworten wegen des Vorwurfs der mehrfachen Gefährdung des Lebens und der mehrfachen versuchten Körperverletzung. Gemäss Anklageschrift soll Nock seiner Frau ein Kissen so lange aufs Gesicht gedrückt haben, bis sich diese tot stellte. Als er dies bemerkt habe, solle er der Frau mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm weiter vor, seine Frau im gemeinsamen Haus im Treppenhaus über das Geländer gehoben und gedroht zu haben, sie fallen zu lassen. Auch soll er die heute 44-jährige Frau an der Schulter gepackt und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen haben. Einmal soll er der Frau die Nase gebrochen haben. Zu den Attacken kam es gemäss Staatsanwaltschaft in den Jahren 2008, 2013 und 2014.

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren. Es sei wiederholt zu massiver Gewalt gekommen. Der Angeklagte habe allen «das Leben zur Hölle» gemacht, sagte der Staatsanwalt. Der Angeklagte zeige keinerlei Reue oder Einsicht. Der Staatsanwaltschaft forderte auch eine Sicherheitshaft.

Die häusliche Gewalt laufe immer nach dem gleichen Muster ab. Die Opfer suchten die Schuld bei sich selber und versuchten, die Gewalt zu verhindern. Im konkreten Fall sei der Angeklagte ein Prominenter.

In der Öffentlichkeit gelte er als erfolgreicher Artist. Nock versuche, von sich in den Medien ein anderes Bild zu zeichnen. Die Anklage basiere auf den glaubwürdigen Aussagen des Opfers. Die Aussagen seien schlüssig.

Bei den Einvernahmen habe sich der Angeklagte nur herausreden wollen. Das Ehepaar habe auch Kokain konsumiert, hielt der Staatsanwalt fest. Eine Tochter der Frau habe eine der Gewalttaten mitgehört. Auch eine Tochter von Nock sei einmal Zeugin gewesen.

Der Verteidiger forderte einen Freispruch auf der ganzen Linie. Nock solle eine finanzielle Entschädigung und eine Genugtuung erhalten. Niemand wisse genau, was geschehen sei. Die Aussagen einer Frau würden in einem solchen Verfahren viel ernster genommen als die Aussagen eines Mannes.

«Möchte keine Aussage machen»

Bei der Befragung durch die Gerichtspräsidentin verweigerte der angeklagte Nock die Aussage. Auch auf konkrete Fragen der Gerichtspräsidentin zu den Vorfällen war immer nur eine Antwort zu hören: «Da möchte ich auch keine Aussage machen», gab er wiederholt zu Protokoll.

Nock sass drei Mal vorübergehend in Untersuchungshaft. Die Gerichtspräsidentin zitierte aus Einnahmeprotokollen, wonach Nock angab, dass auch er von der Frau wegen deren Alkoholproblemen geschlagen worden sei.

Die Frau wurde an der Verhandlung als Auskunftsperson befragt, während der Angeklagte in einem Nebenraum alles per Video mitverfolgte. «Er wollte Macht über mich», sagte sie. Sie schilderte die erste Gewaltattacke. Ihr Mann habe sie mehrfach gewürgt, bis sie keine Luft mehr erhalten habe. «Er wurde wie ein anderer Mensch.»

Sie habe Angst gehabt. Die Frau weinte bei der Befragung. Die Probleme hätten 2008 begonnen. Er sei immer wieder aggressiv geworden. Mit der Zeit habe sie verbal zurückgegeben.

Mit dem Kissen, das er ihr ins Gesicht gedrückt habe, habe er sie erdrücken wollen. «Ich hatte Angst, dass ich sterbe.» Sie habe ihn nie geschlagen. Er habe bei einem anderen Mal ihren Kopf gegen die Wand geschlagen. Sie räumte ein, dass sie ihren Mann auch verbal provoziert habe. «Ich habe weitergemacht, als ob nichts gewesen wäre», erzählte die Frau.

«Mann über alles geliebt»

Sie wäre von sich aus niemals zur Polizei gegangen. «Ich habe all die Jahre alles geschluckt und verdrängt.» Sie habe es nicht wahrhaben wollen, dass ihr Mann, den sie so sehr geliebt habe, das alles angetan habe. «Ich habe den Mann über alles geliebt.»

Sie habe mit niemandem reden können. Sie habe eine Psychotherapie gemacht, wegen der Gewalt und um die Beziehung zu retten. Sie zog aus dem Haus aus, ging dann später vorübergehend wieder zurück. «Ich hatte die Hoffnung, dass es wieder gut wird.»

Sie erzählte ihr Erlebnisse der Polizei, die von Nock zur gemeinsamen Wohnung bestellt worden war. Er gab an, die Frau habe ihn angegriffen. Später erklärte die Frau das Desinteresse an der Anzeige.

Nock und die Frau hatten im Jahr 2013 geheiratet. Sie trennten sich 2017. Sie haben einen 8-jährigen Sohn. Es gibt einen Streit um das Sorgerecht des Kindes und einen Scheidungskampf. Der Sohn lebt bei der Mutter.