Brasiliens Präsident kritisiert Kriminalisierung von Homophobie

Brasiliens rechtsradikaler Staatschef Jair Bolsonaro hat die Kriminalisierung von Homophobie durch das Oberste Gericht des Landes kritisiert. Die Entscheidung könne Homosexuellen «wehtun», sagte er Journalisten am Freitag.

Unternehmen könnten es sich aus Angst, der Homophobie beschuldigt zu werden, «zweimal überlegen», Homosexuelle einzustellen, sagte Bolsonaro. Zudem argumentierte er, das Gericht habe «komplett Unrecht», weil es sich in die Gesetzgebung eingemischt habe.

Das Oberste Gericht Brasiliens hatte Homophobie am Donnerstag offiziell als Verbrechen eingestuft. Acht von elf Richtern sprachen sich dafür aus, Anfeindungen gegenüber Homo- und Transsexuellen analog zu rassistischen Verbrechen künftig als Straftat zu werten. Rassistische Straftaten können in Brasilien mit Haftstrafen von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen bestraft werden.

Bolsonaro hat in der Vergangenheit mehrfach mit homophoben Aussagen Aufsehen erregt. Unter anderem hatte er erklärt, es wäre ihm lieber, sein Sohn wäre tot als schwul.

In Brasilien hatten Anfeindungen gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle in den vergangenen Jahren zugenommen. Nach Angaben der Organisation Grupo Gay de Bahia, die seit vier Jahrzehnten Statistiken erstellt, gab es in Brasilien allein im Jahr 2017 bei 387 Tötungsdelikten und 58 Suiziden einen homophoben Hintergrund. Das war ein Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zu 2016.