Wawrinka lässt sich von Monfils einlullen

Stan Wawrinka (ATP 68) verliert den Final des ATP-500-Turniers in Rotterdam gegen den 35 Positionen vor ihm klassierten Franzosen Gaël Monfils 3:6, 6:1, 2:6. Es ist eine unnötige Niederlage.

Stan Wawrinka mochte sich trotz der eher unnötigen Finalniederlage beim nach den ATP Finals bestdotierten Hallenturnier der Welt nicht allzu sehr ärgern. Mit Siegen gegen Benoît Paire, Milos Raonic, Denis Shapovalov und Kei Nishikori hatte er erstmals seit dem French Open 2017 und der Niederlage gegen Rafael Nadal wieder einen ATP-Final erreicht. «Es war eine sehr gute Woche», bilanzierte der dreifache Grand-Slam-Champion. «Und ich verliere lieber gegen einen guten Freund.»

Der 33-jährige Waadtländer und der eineinhalb Jahre jüngere Monfils zeigten den Fans in der niederländischen Hafenstadt eine spektakuläre Partie. Im ersten Satz war der in der Nähe von Nyon wohnhafte Franzose der klar bessere Spieler. Während der Schweizer zu keiner einzigen Breakchance kam, verlor er seinen Aufschlag zum 1:2 und zum 3:6. Immer wieder verleitete ihn Monfils mit seiner Laufarbeit und seinen gewaltigen Qualitäten in der Defensive dazu, zu viel zu riskieren.

Im zweiten Satz wendete sich das Blatt. Monfils musste gleich seine ersten beiden Aufschlagspiele abgeben. Zum einen erhöhte Wawrinka die Zahl seiner ersten Aufschläge deutlich und beging weniger Fehler, zum andern schien der Franzose zunehmend durch ein Problem in der unteren Bauchgegend handicapiert zu sein. Das Tempo seiner Aufschläge nahm zeitweise rapide ab.

Monfils‘ wundersame Auferstehung

Nach dem klar verlorenen zweiten Durchgang feierte Monfils aber eine verblüffende Auferstehung. Im dritten Satz war er plötzlich wieder da, schlug wieder regelmässig mit über 210 km/h auf und ging früh mit einem Break 2:1 in Führung. Wawrinka war die Partie wieder entglitten und Monfils nicht mehr zu stoppen. Nach knapp eindreiviertel Stunden holte er seinen erst achten Titel. «Am Ende stimmte die Beinarbeit nicht mehr ganz», stellte Wawrinka fest. «Deshalb konnte ich mein aggressives Spiel nicht mehr wie gewünscht durchziehen.»

Er zollte wohl den Anstrengungen der Woche ein wenig Tribut. Der Lausanner ist sich diese nach seinen zwei Knieoperationen nicht mehr gewöhnt. Seit dem French Open im Juni 2017 hatte er nie mehr fünf Partien bei einem Turnier gespielt. Seinen letzten Titel feierte er kurz davor zuhause in Genf. Den mit fast zwei Millionen Euro dotierten Event in Rotterdam hatte er 2015 einmal gewonnen.

Die Woche in der niederländischen Hafenstadt war auch diesmal ein Erfolg, selbst wenn der Romand nicht Nachfolger von Roger Federer wurde. Wawrinka wird sich in der Weltrangliste auf Platz 41 verbessern. Der Weg ist nicht mehr weit, um am French Open zu den 32 Gesetzten zu gehören – und in der aktuellen Form dürfte auch der 17. ATP-Titel nur eine Frage der Zeit sein.