Immer mehr Missbrauchsfälle in Österreich und Deutschland
Wien. – Zwei ehemalige Chormitglieder berichteten der Zeitung «Der Standard» (Freitagausgabe) von sexuellen Übergriffen und übertriebenen Disziplinarmassnahmen in den 60er und 80er Jahren. Es habe eine «Terror- und Angstatmosphäre geherrscht», sagten die heute 33 und 51 Jahre alten Betroffenen.
Einer der Männer, der als Orthopäde und Chirurg in Berlin arbeitet, erzählte von Duschritualen unter Anwesenheit der «Präfekten» genannten Erzieher. Diese hätten nackten Schülern Tipps gegeben, wie sie sich die Genitalien waschen sollten. Zudem wurde er selbst als Neunjähriger von einem älteren Schüler zu oralem Sex gezwungen.
Gleichzeitig wurden weitere Fälle innerhalb der katholischen Kirche Österreichs bekannt. Neben den Missbrauchsfällen in Salzburg - wo ein Erzabt zurücktrat - und in Vorarlberg gab es am Mittwoch und Donnerstag auch Vorwürfe gegen kirchliche Einrichtungen in Oberösterreich und der Steiermark.
In der Oststeiermark soll ein Pfarrer in den 1970er und 1980er Jahren bis zu 20 Knaben und Mädchen bei Firm- und Nachhilfestunden sexuell missbraucht haben. Der im Burgenland als Priester tätige Mann legte am Mittwoch sein Amt nieder. Er gab die Vorwürfe in einem Interview mit der Wochenzeitung «Falter» zu.
Auch das Ausmass des sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim wird immer grösser. «Wir wissen inzwischen von 33 Betroffenen», sagte Direktorin Margarita Kaufmann. Der Zeitraum reiche inzwischen von 1966 bis 1991. (sda)


