«Burglind» und die grosse Trockenheit im Sommer begünstigen die Vermehrung von Borkenkäfern

Ausbleibende Niederschläge, verbunden mit wochenlangen Temperaturen über 30 Grad, bedeuten auch für den Wald «Trockenstress». Während einige Laubbäume mit vorzeitigem Blattabwurf reagieren können, vertrocknen beispielsweise Fichten «stehend» – für den Schädling Borkenkäfer ein gefundenes Fressen.

So hat unter anderem der Sturm Burglind im Januar grossen Schaden an den Bäumen angerichtet. Geschwächte Bäume (gerissene Wurzeln, Windrisse im Stamm, zerzauste Kronen (Nadel- und Astverluste bis zu zwei Dritteln)) stellen für den Borkenkäfer den idealen Ort für eine Brut dar, wie der Schwyzer Kreisförster Josef Gabriel sagt. «Wenn Sturmschäden entstehen und diese nicht schnell genug weiterverarbeitet werden, kann sich der Borkenkäfer darin vermehren und eine Brut entwickeln.» Beim Sturm Burglind seien die Sturmschäden laut Gabriel meist schnell genug weggeräumt worden, bevor sich der Borkenkäfer darin einnisten und vermehren konnte.

Momentan sei im inneren Kantonsteil noch kein Anstieg an Borkenkäfer-Larven zu verzeichnen. «Entwarnung kann man aber keineswegs geben, es ist gut möglich, dass die Auswirkungen erst im Herbst spürbar sein werden», so Gabriel. So ruft er zwar nicht gerade Alarmstufe Rot aus, «aber wir müssen die Situation weiter be-obachten und dranbleiben», sagt er.

Durch die grosse Hitze im Sommer seien vor allem Fichten besonders anfällig für den Käfer. «Wenn es nicht regnet, dann kann die Fichte nicht genug Abwehrmittel – sprich Harz – gegen den Borkenkäfer entwickeln und ist dem Schädling somit praktisch hilflos ausgeliefert», erklärt Gabriel. 

Vier bis sechs Wochen Zeit

Dem pflichtet auch Peter Schilliger, Revierförster im Wägital, bei. Er erklärt, wie man den Käfer aufhalten kann: «Wenn man den Borkenkäfer in den ersten vier bis sechs Wochen, in denen er sich im Baum einnistet, erkennt, ist es noch nicht zu spät. Dann kann man den Baum aufrüsten und somit ein Ausbreiten des Schädlings verhindern.» Oftmals sei es aber schwierig, ihn rechtzeitig zu finden. «Wir haben eine Fläche von 3000 Fussball-feldern zu -warten, daher entdecken wir den Borkenkäfer oftmals zu spät», sagt Schilliger. Aktuell finden sich wöchentlich neue sogenannte Käferbäume am Buechberg, fügt der zuständige Förster Toni Diethelm an.

Das Wägital sei bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Er erzählt von grossen Problemen mit dem Borkenkäfer in benachbarten Mittellandkantonen. «Wir haben dabei den Eindruck, dass das Problem mit zunehmender Meereshöhe kleiner ist», sagt Schilliger. Auch deshalb sei das Wägital noch nicht so stark betroffen. 

Entwarnung möchte wie Gabriel auch Schilliger noch nicht geben. «Wir wissen, dass der Käfer auch bei uns im Wägital vorhanden ist. Es ist also gut möglich, dass der Käfer sein wahres Gesicht erst im Herbst zeigt.» 

Weitreichende Problematik

Die Probleme seien nicht nur bei uns zu finden, wie Schilliger weiter erklärt. «Auch im süddeutschen Raum und in Österreich – zwei der grössten Holzverarbeitungsregionen – wird über viel zu viel Holz mit Käferschaden geklagt.» Vor allem in Tschechien seien grosse Probleme festzustellen, wo ein stattlicher Teil der Fichten vom Borkenkäfer befallen sei. «Dort sind die Bäume teilweise gar nicht mehr grün, was ein Zeichen für den schlechten Zustand der Bäume ist», erklärt Schilliger. Viele Bäume würden so in kurzer Zeit sterben.

Das Problem der Borkenkäfer wird auch wegen des Klimawandels nicht verschwinden. Die Förster sind sich einig, dass grosse Auswirkungen zu erwarten sind und sie die Problematik vermehrt beschäftigen wird.